Danke @worka und @Tobias für Ihre ausgleichenden, jede Seite verstehenden Kommentare.
Bei Ihnen weiß ich manchmal gar nicht, wie Sie es meinen oder verstehen. Vieles von dem, was gesagt wird, klingt für mich eher so, als würde es Bibliotheken nicht als Orte der Demokratie sehen. Wenn ich jedoch meine Arbeit erkläre, entsteht plötzlich wieder ein ganz anderes Bild.
Ich habe durchaus eine klare Haltung zur Demokratieförderung in der Bibliothek. Sie gehört für mich ganz selbstverständlich zu meiner täglichen pädagogischen Arbeit. Würde ich das nicht tun, würde ich meinen Beruf nicht richtig ausüben. Und übrigens: Jede medienpädagogische Fachkraft leistet Demokratieförderung. Das ist ein grundlegender Bestandteil unserer Arbeit. Ohne diese Haltung würde Medienpädagogik gar nicht funktionieren.
Guten Morgen! Auch in Rheinland-Pfalz gibt es eine „Interpretationshilfe zum Umgang mit dem Neutralitätsgebot“ von 2025 des Ministeriums für Familien, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz. Sie soll Beschäftigten im öffentlichen Dienst mehr Handlungssicherheit geben: https://mkbwk.rlp.de/fileadmin/07/Bilder/Themen/Demokratie/Interpretationshilfe_Neutralitaetsgebot_f.pdf .
LG
Ich denke, ich habe hier meinen Standpunkt deutlich genug gemacht.
Worauf ich aber noch hinweisen möchte:
Hier in diesem Forum kann man ja die Anzahl der Aufrufe wunderbar sortieren. Und da sieht man sehr deutlich, welche Themen interessanter sind für die tägliche Arbeit in Bibliotheken. Und welche nicht.
In diesem Thread haben wir demnächst die 50-Beitrag-Marke erreicht. Ich plädiere dafür, die Archivwürdigkeit zu prüfen und den Thread gegebenenfalls an die Deutsche Nationalbibliothek zur Langzeitarchivierung zu übergeben. In jedem Fall ein spannender Diskurs. Ein Dank an alle Beteiligten!
Anderswo entdeckt … ![]()
Und weil es so schön zum Thema Neutralität im Öffentlichen Dienst und aktivistischen Bibliothekaren passt, kopiere ich es hier mal rein …
Zitat: „Die Löhner CDU ist weder gegen Frauenrechte noch gegen Feminismus“ […]. Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung […] seien in ihrem öffentlichen Auftreten jedoch politischer Neutralität verpflichtet. „Wir hätten diese Anfrage auch gestellt, wenn ‚Das Kapital’ von Karl Marx empfohlen worden wäre.“
Mit einem Artikel hinter einer Paywall und einem Zitat, bei dem ich nicht weiß, worum es bei der Anfrage der CDU überhaupt ging, kann ich persönlich herzlich wenig anfangen.
Offenbar hat die Löhner CDU ein Informationsdefizit in Bezug auf das Neutralitätsgebot. Aber es ist ja nie zu spät für ein wenig politische Bildung.
Ja, ich habe den Artikel gesehen und auch das Statement der stellvertrenden Bibliotheksleitung gelesen, die sehr großartig und stark ihre Position deutlich gemacht hat, nämlich dass wir parteipolitisch neutral sind, aber nicht werteneutral. Wie schön, dass wir Menschen in unserem Berufsfeld haben, die sich immer und immer wieder für die Gleichberechtigung, Gleichstellung und Diversität stark machen, obwohl es von innen/außen immer wieder Angriffe gibt, die mit Neutralität begründet werden. Das ist ein gutes Zeichen!
Aus einer Buchempfehlung direkt „aktivistische Bibliothekare“ abzuleiten, halte ich für zumindest gewagt.
Außerdem darf ruhig dazu gesagt werden, dass das Zitat exakt so von meinem Toot übernommen wurde, mit den exakt gleichen Auslassungen, den gleichen Auslassungszeichen und dem gleichen einleitenden „Zitat:“. Ist aber bestimmt nur Zufall.
Ja @fuzzyleapfrog, richtig erkannt. Das habe ich von Ihnen. Aber ich wollte Sie nicht kompromittieren.
Ich kann den Text hinter der Paywall auch nicht lesen.
Aber ich finde, es ist ein ideales Beispiel dafür, wie sich Bibliotheken selbst zur Zielscheibe machen können.
Keine kontroversen Medien auszustellen oder zu empfehlen wird uns nicht weniger „zur Zielscheibe“ machen. Wenn es das nicht ist, dann Veranstaltungen, der Bestand, das Personal oder alles mögliche andere. Dieses Schuld-Zuschieben für Angriffe/Anfragen aufgrund typischer bibliothekarischer Aktivitäten, finde ich sehr kurz gedacht und am Problem vorbei.
Wie andere auf Mastodon schon sagten, wäre es interessant zu sehen, ob es tatsächlich eine Anfrage gegeben hätte, wenn ein Buch von Helmut Kohl empfohlen worden wäre. Aber das führt weg vom Thema.
Ich halte es für sehr unsauber, ein Zitat ohne den Kontext zu nehmen und zu interpretieren. Ich kann ohne den gesamten Artikel ja nicht einmal erkennen, was bei dieser Anfrage herumgekommen ist, was die Bibliothek gesagt hat, usw.
Die Zeitung selbst gibt es zumindest bis Genios über den Voebb. Den Artikel alleine habe ich aber nicht gefunden.
Im Gegensatz dazu habe ich den Artikel tatsächlich ganz gelesen. Der Antragstext ist darin nur in einzelnen kleinen Schnipseln und umschrieben enthalten. Das Zitat ist allerdings ein direktes sowie indirektes Zitat einer Aussage von der Löhner-CDU und nicht aus dem Antrag.
Da ein ganzes Kopieren des Artikels außer Frage steht, ist stets nur das Zitieren und Teilen kurzer Passagen möglich. Inwiefern wir Artikel hinter Paywalls in Diskussionen oder generell online nutzen, teilen, zitieren oder uns darauf beziehen sollten, ist natürlich nochmal ein ganz eigenes Thema. Vielleicht wird es noch Artikel ohne Paywall dazu geben oder Artikel bei denen man zumindest Zugriff über die eigene Bibliothek bekommt.
Es ist halt falsch. Wie schon so oft erwähnt hier: Wir sind nicht politischer Neutralität verpflichtet. Wir sind parteipolitischer Neutralität verpflichtet. Es ist ermüdend, dass dieser Unterschied offenbar nicht erkennbar ist. Da ist der CDU vor Ort entsprechend zu antworten - dezent im Ton, aber hart in der Sache.
Ergänzend sei aber erwähnt (und dieser Teil der Diskussion kommt mir zu kurz), dass dieser Unsinn der Neutralität über ein Jahrzehnt von dbv und BID per Berufsethik propagiert und breit von Kolleg*innen unkritisch übernommen wurde. Vor wenigen Jahren ist diese Haltung dann in einem Akt kollektiver Amnesie verschwunden. Es ändert nichts daran, dass es immer zu kritisieren war.
Viele Grüße
Peter Jobmann
Vielen Dank für den Kontext! Es ist auch etwas anderes, einen Ärger über die Aussage der CDU zu verkünden (wie du ursprünglich im Toot), oder dieses Zitat zu nehmen, den Artikel selbst nicht gelesen zu haben und daraus Konsequenzen für die Bibliothek zu ziehen, für die der Kontext gar nicht gegeben ist.
Ich habe über unsere Bibliothek leider gar keinen Zugriff, aber vielleicht kommt da noch was.
Weil es zum Themenfeld „Bibliotheken & Einsatz für Demokratie“ passt, poste ich hier eine Linksammlung, die von der NRW-Fachstelle für ÖBs kuratiert wurde:
Bibliotheken als Orte der Demokratie in der Praxis: Handlungssicherheit für Bibliotheken – Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW
Dankeschön, das ist sehr hilfreich, besonders die Broschüre der Landeshauptstadt München „Verwaltung mit Haltung: Das Neutralitätsgebot richtig verstehen und umsetzen“!
