Ich habe den Eindruck, dass einige Menschen hier die Grundlagen des Öffentlichen Dienstes nicht ganz verstanden haben.
Natürlich kann jeder Mitarbeiter im ÖD demonstrieren gehen oder sich bei Parteien engagieren. Selbstverständlich!
Aber im Dienst - und in gewissem Maße auch im Privatleben- gilt das Mäßigungsgebot.
Heute früh gelesen: „Was können wir tun, um die AFD kleinzuhalten?“, ist eine beliebte Frage in journalistischen Kreisen.
Ich halte schon die Frage für vermessen. Nach meinem Dafürhalten ist es die Aufgabe der politischen Konkurrenten der AFD den Weg an die Macht zu verlegen. Aber nicht die von Journalisten.
Quelle: Jan Fleischhauer: Du bist nicht allein, Seite 65.
Ich ergänze mal: Es ist auch nicht Aufgabe von Bibliothekaren.
Ein großes Problem mit den aktuellen Stellungnahmen von dbv und weiteren Verbänden sehe ich darin, dass es anscheinend einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt.
Ich lebe auf dem Dorf. Es existiert kein Öffentlicher Nahverkehr. Die Menschen brauchen ihr Auto. Und die Menschen haben immer weniger Geld im Geldbeutel, weil das Leben immer teurer wird.
Für uns als Bibliothek ist das gut, weil wir irre viel Neuanmeldungen haben.
Aber Ende des Monats schließt die Buchhandlung vor Ort, weil die Menschen kein Geld mehr für Bücher ausgeben. Es gibt dann nur noch eine einzige Buchhandlung in einem Landkreis mit 84.000 Einwohnern.
Es rufen Kunden an, die Bücher verlängern, weil sie wegen den hohen Spritpreisen Fahrten vermeiden möchten.
Der einzige große Arbeitgeber vor Ort ist ein Autozulieferer, der in den letzten Jahren 1500 Stellen abgebaut hat. Die Steuereinnahmen der Kommune werden also sehr sicher massiv einbrechen.
Die Menschen haben also gerade andere Sorgen als den Klimawandel, Kolonialismus oder Gendersternchen.
Hier in der Provinz gendert auch kein Mensch.
Auch wir mussten erstmalig seit 25 Jahren die Jahresgebühren moderat erhöhen.
Der Stadtrat steht aber (noch) hinter der Stadtbücherei, weil wir die Zahlen massiv steigern konnten in den letzten Jahren und weil ich eine Büchereiführung für den kompletten Stadtrat gemacht habe.
Und bisher gab es auch keine Etatkürzung, weil wir uns auf das Angebot für Familien mit Kindern und die Leseförderung konzentrieren.
Unsere Inneneinrichtung haben wir in den letzten Jahren auch immer wieder kostengünstigst und in Eigeninitiative attraktiver gestaltet.
Unsere Kunden empfehlen uns wohl auch sehr oft weiter.
Meine Arbeit mache ich für die 90-jährige Dame, die sich „Lebe wild und gefährlich“ ausleiht, für die Familien mit Kindern, die sich riesig freuen, wenn sie bei uns Berge von Bilderbüchern, Spielen, Tonies, CDs, Gegenstände ausleihen können.
Und für die Menschen, die sich Sachbücher ausleihen, um etwas zu lernen.
Ich habe nicht das Bedürfnis, das Land zu ändern. Sondern nur, möglichst gut eine Dienstleistung für die Bevölkerung vor Ort zu erbringen.
Es gibt noch ein anderes Deutschland außerhalb der Unistädte …
Respektloses Verhalten betrifft übrigens bei uns vorwiegend zu wilde, laute Kinder und Jugendliche.
Gemeldet habe ich bisher in meinem Berufsleben nur einmal einen Stalker, der mir wirklich Angst eingejagt hat. Da konnte mir die Kripo weiterhelfen.
Und der Bürgermeister hat dann höchstpersönlich ein Hausverbot erteilt.
Damit war dann endlich Ruhe mit der Verfolgung.