Natürlich ist es nicht das erste Mal, dass es bei politischen oder religiösen Themen zu Datenmanipulationen kommt, wie der von mir beschriebene ältere Fall zeigt. Auch bei diesem wurden natürlich Konsequenzen gezogen.
Das macht aber den aktuellen Fall nicht besser. Die Datenmanipulationen der BdK waren wirklich sehr dramatisch. Hier nochmal der relevante Ausschnitt aus dem Artikel aus der ZEIT:
"Mitarbeiter der BdK haben seit März 2025 in dem Bücherkatalog 143 Löschungen und Datenmanipulationen vorgenommen – teilweise an Werken, die gar nicht aus ihrem eigenen Bestand stammen. Ein klarer Verstoß gegen die Regularien des Verbunds.
Mal machten BdK-Bedienstete aus der Spiegel-Journalistin Lisa Duhm eine »Lisa Dumm«. Damit versuchten sie, Duhms Sachbuch Sie sind überall: Gegen Faschismus in deinem Feed zu diffamieren. Bei anderen Werken löschten die rechten Bibliothekare Schlagwörter, die Bücher waren damit schwerer auffindbar. Oder sie fügten stark wertende rechte Kampfbegriffe und Verschwörungserzählungen wie »Gender-Gaga«, »Verdummung«, »Klimaschwindel« oder »Bevölkerungsaustausch« als Schlagworte hinzu.
Bei bisher neutralen Einträgen ergänzten BdK-Mitarbeitende zudem politische Kommentare, wie beispielsweise bei einem Aufsatz des Correctiv-Chefredakteurs Justus von Daniels über die Nachwirkungen seiner Recherche zum »rechten Geheimtreffen in Potsdam« in den Frankfurter Heften. Den Zeitschriftenbeitrag ergänzten sie mit den Schlagworten »Verschwörungstheorie«, »Falschmeldung«, »Propaganda« oder »Zeitungsente« und einer Verlinkung zum Thema auf den rechten Blog Tichys Einblick. Ein Bildband der renommierten Fotografin Regina Schmeken über die Tatorte des NSU-Terrors wurde in der Inhaltsangabe mit Zweifeln an den rechtsextremen Tätern kommentiert."
(Quelle: DIE ZEIT online vom 08.05.2026, 09:30:00, Rechter Thinktank: Ein Fall von Vandalismus, Rechter Thinktank: Ein Fall von Vandalismus | DIE ZEIT)
Das sind gezielte Datenmanipulationen, die ein Bibliotheksverbund nicht hinnehmen kann.
Wir haben genaue Vorgaben, um eine möglichst neutrale Erschließung zu gewährleisten. Dazu gehört etwa, dass in der Formalerschließung Ressourcen so abgebildet werden, wie sie sich selbst darstellen (ich kann also nicht einfach den Namen einer Autorin ändern). Auch bei der verbalen Sacherschließung gibt es Vorgaben, z.B. die, dass die Weltanschauung des:der Autor:in nicht berücksichtigt wird. Logischerweise darf sich auch die Weltanschauung der katalogisierenden Person nicht auf die Verschlagwortung auswirken. Natürlich kann man über gewisse, vielleicht auch unbewusste Biases von Erschließenden philosophieren. Aber das bewegt sich dann doch in jedem Fall in einem ganz anderen Bereich als die in offensichtlich bösartiger Absicht durchgeführten Löschungen und Korrumpierungen durch Mitarbeitende dieser Bibliothek.