Liebe(r) @Bib_lio, willkommen im Forum!
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Sie die beiden Sätze direkt aufeinander folgen lassen
Sie reden von Mutmaßungen (bitte teilen Sie mit uns hier im Forum, welche Sie meinen) und stellen gleich darauf selbst eine auf. Oder ist es ein erfolgreich ins Bibliothekswesen hineingetragenes Narrativ, dass die ekz seinerzeit nur durch eine Privatisierung hätte gerettet werden können?
Wie dem auch sei, selbstverständlich darf in einem Forum, das dem Informations- und Meinungsaustausch dient auch gemutmaßt und spekuliert werden, ob dies jeweils kritikwürdig ist würde ich danach beurteilen, auf welcher Grundlage dies geschieht.
Ein Anbieter, der im dem Markt „Digitale Verleihmedien für Bibliotheken“ einen Marktanteil von weit über 90% besitzt, der in vielen Jahren sehr profitabel gearbeitet hat, darf dann jenen Bibliotheken, die aussteigen oder darüber nachdenken geradezu vorwerfen, dass sie diejenigen seien, die das erfolgreiche Geschäftsmodell ins Wanken bringen? „Na, wenn ihr zur Konkurrenz geht, dann dürft ihr euch nicht wundern!“
Hier stimmen wir durchaus überein: Wenn man nahezu am Gipfel der Marktbeherrschung ist, aber aus diesem Markt Signale bekommt, dass es abwärts geht/gehen könnte (Höhe öffentlicher Etats, Kaufbereitschaft, Konkurrenz…), vielleicht bekommt man dann Sorge um zukünftige Umsätze und Gewinne. Gerade dann, wenn man sich möglicherweise eingestehen muss, dass die (übermächtige?) Konkurrenz über ein gutes (besseres?) Produkt verfügt? Dann verkauft man vielleicht lieber auf dem Höhepunkt (?), um einen guten Preis zu erzielen. Das ist nur eine der möglichen Mutmaßungen, aber eine durchaus plausible. Es gibt noch andere, die ich hier nicht vertiefen möchte. Bevor die Spekulationen ins Kraut schießen kann man sich ja mal näher nach den Hintergründen erkundigen. Z.B. in ausführlichen Interviews mit Herrn Bourdon und Frau Weissman, bei denen auch tief und kritisch „gebohrt“ wird. Vorschlag als Beitrag für’s BuB, LIBREAS oder eine andere Fachzeitschrift. Ob wir dort die ganze Wahrheit erfahren werden, ist eine andere Frage…
Wichtige Daten über die ekz sind im Unternehmensregister online verfügbar:
Hier als Bsp. die beiden jüngsten verfügbaren Jahresabschlüsse (Geschäftsjahr 2024):
ekz_Jahresbericht 2024_HRB_350061_14.08.2026.pdf (76,0 KB)
divibib_Jahresbericht_2024_HRB_761358_14.08.2026.pdf (38,9 KB)
Die Berichte für 2025 werden irgendwann in 2027 vorliegen. Im Bericht für die ekz ist bereits vom deutlichen Umsatzrückgang gegenüber 2023 zu lesen. Andererseits heißt es dort unter Punkt C:
C. Chancen und Risiken, Prognosebericht
a) Chancenbericht
Die Nutzung digitaler Angebote und Dienstleistungen für Bibliotheken nimmt weiter zu. Davon werden insbesondere die divibib GmbH und LMSCloud GmbH profitieren, in Maßen auch die EasyCheck GmbH & Co. KG sowie die ekz benelux, da kontaktloses
Medienhandling eine höhere Gewichtung bekommt. Die neu gegründete redia Deutschland GmbH ist in 2023 gestartet und konnte bis Ende 2024 8 Kunden gewinnen. Die Marktdurchdringung wird sich in 2025 weiter fortsetzen. Damit erweitert die ekz-Gruppe ihr
digitales Angebot.
Die divibib wies 2024 einen Jahresüberschuss von über 1,2 Mio. EUR aus, die Verbindlichkeiten sind überschaubar und bestehen außerdem gegenüber Gesellschaftern und nicht gegenüber Lieferanten oder Banken.
Die folgende Grafik, die die Ertragssituation der ekz von 1994-2004 zeigt
stammt aus dem Jahresbericht 2006 des Rechnungshofes Baden-Württemberg, S.99-107:
Über die Umsatz- und Ertragssituation danach weiß ich „aus erster Hand“, weil ich von 2001 - 2014 bei der ekz beschäftigt war. In jährlichen Mitarbeiterversammlungen bekamen wir selbstverständlich ausführliche Informationen, von denen nur ein kleiner Teil öffentlich zugänglich war und ist.
Die Leko bzw. die Bibliothekarischen Dienste isoliert zu betrachten, greift viel zu kurz. Das wusste spätestens nach den ersten Jahren auch der neue GF, Hr. Meyer. Denn an diesen Diensten hängt direkt und indirekt ein Großteil der Medienumsätze. Ohne Lektorats- und Datendienste können z.B. Standing Order nicht in der existierenden Form erbracht werden - und das ist nur EIN Bsp. Komplexe Angelegenheit, die nicht auf die schnelle zu Vermitteln ist, aber sehr gerne verkürzt vermittelt wurde (auch im Bericht des Rechnungshofes). Die Realität sieht bildlich eher wie folgt aus: Stellen Sie sich vor, ein Automobikonzern würde seine Entwicklungsabteilung als Profit-Center betreiben wollen. Dauernd würde die GF dieser Abteilung vorwerfen, dass sie nicht profitabel arbeite. In den Markt hinein würde sie hingegen argumentieren: „Seht nur, wir investieren Milliarden in Forschung und Entwicklung, die uns niemand bezahlt, aber wir müssen das tun, damit wir alle bessere Autos bekommen.“ Man würde über eine solche Argumentation zu Recht den Kopf schütteln, weil jedem klar ist, an welcher Stelle (nämlich im Vertrieb) diese Entwicklungskosten wieder hereingeholt werden.