Overdrive übernimmt Onleihe

Super Statement, vielen Dank. Man sieht, in jeder schlechten Nachricht steckt auch immer eine Chance. Und die liegt jetzt darin das Beste daraus zu machen. Ich freue mich auf die neue App und neue Möglichkeiten.

2 Likes

Übrigens wurde das Thema auch mit großer Resonanz von Bibliotheksnutzer:innen im Fediverse aufgegriffen, siehe diesen vielgeteilten und -gelikten Toot und die Antworten darauf: conrad: „Achso, #Onleihe wurde an ein US-Unternehmen verka…“ - ruhr.social

Ich habe dort auch mal auf diesen Thread hingewiesen.

5 Likes

Ja, es findet langsam auch außerhalb der Bibliothekscommunity Resonanz.

NEIN, da gibt es genügend Blaupausen, wie solche Fusionen ablaufen. Ich habe genügend Erfahrungen in diesem Thema und wenn ich auf Seiten Overdrive wäre, und den Auftrag hätte, Synergieen zu finde, würde mir da sehr sehr viel einfallen. Da ist dann meistens zu Lasten der Kunden, vorallem wenn man einen hohen Marktanteil hat.
Sie können das nun glauben oder die rose Brille aufsetzen. Aber wir schauen doch mal in 2-3 Jahren wie es dann aussieht.
Overdrive ist ein Unternehmen, welches für die Shareholder Gewinne erzielen muß. Man überlegt sich in welchem Markt man Chancen hat und investiert. Mit der Übernahme von divbiv spart man sich Zeit und bekommt einen Markenposition, die man so mit viel mehr Zeit und wahrscheinlich Geld vielleicht erreicht hätte.
Das Geld für die divbib Übernahme muß wieder reinkommen in einem überschaubaren Zeitraum. Da kann es dann auch etwas ungemütlicher werden.

Glauben Sie ernsthaft, die Kosten werden nicht steigen? Wir leben in einer Marktwirttschaft und wenn eben wenn die zweit größten Anbieter sich vereinigen btw. einer den anderen aufkauft ist das bestimmt keine Steigerung des Wettbewerbes.
Deswegen gibt es ja sowas wie das Bundeskartellamt, damit sowas nicht passiert. Das hätte - wenn die rechtliche Lage vorhanden wäre - diesen Zusammenschluß untersagt.

Damit erübrigen sich viele Spekulationen. Aber leider ist die Umsatzschwelle zu niedrig…

Das mag ja sein, aber wenn man auf einen Schlag den Marktanteil in den Bereich 80% oder mehr steigert, wird die Versuchung schon sehr groß an der Preisschraube zu drehen.
Overdrive war in der Position Marktanteile gewinnen zu wollen. Das macht man über den Preis oder eben Kauf eines Marktteilnehmers.

Auch dies stimmt so nicht. Die Verlage brauchen auch die elektronischen Plattformen und hier hat sich die Position von Overdrive nicht verschlechtert. Die Verlage brauchen sehr wohl Partner wie Onleihe oder Overdrive, denn damit werden auch Umsätze generiert. Bisher konnte Random House sicher so handeln: Der Markt zersplittert, mehrere Anbieter wie duvbib, Overdrive etc…
Wenn Overdrive 12 Monate Random House nicht im Programm hat tut dies beiden Seiten weh:
Random House entgehen Einnahmen und Overdrive bekommt den Frust der Leser ab. Also so einseitig ist die Situation nicht mehr. Beide Seiten brauchen sich gegenseitig nur hat Overdrive jetzt bessere Argumente in der Preis- und Lizenzdiskussion mit den Verlagen.
Auch die Verlage wissen: die Zukunft ist nicht mehr nur das klassische Buch !

Das passt ja auch, vor der Übernahme war man eben im „Klinkenputzmodus“ um den Marktanteil zu steigern. Das was sie hier beschreiben ist das A&O im Vertrieb. Darauf dürfen Sie sich nichts, aber auch gar nichts einbilden. Das passiert solange wie der Anbieter Kunden benötigt. Mit der Übernahme hat sich auch hier Position von Overdrive nicht verschlechtert. Es gibt vielleicht noch Kaffee und Kuchen aber Overdrive muß nicht mehr jeden Kunden hätscheln. Man hat viel Geld in die Hand genommen und überlegt sich nun, wie weit kann ich da was drehen, ohne die Kunden total zu verärgern. Der Vertrieb hatte bisher die Aufgabe neue Kunden von einem etablierten Anbieter abzuwerben. Nun geht es darum den Umsatz und Gewinn zu halten. Bei einer Migration auf das Overdrive Preismodell geht Umsatz und evtl. auch Gewinn verloren. Möglicherweise werden bisherige Overdrive Kunden „belohnt“, aber spätestens nach 3-5 Jahren muß man den Lizenz- und Preis-Zoo vereinheitlichen.

Sie reden am Thema vorbei, es geht hier um die Enduser, die nun doppelt migrieren müssen. Intern in der Bibliothek mag dies ja funktionieren, aber denken Sie mal an Ihre Kunden, die etwas betagter sind und nun zweimal wechseln sollen.
Warum kann man nicht EINEN Migrationsprozess onleihe2 → Overdrive durchführen können?. Zur not migriert man an einem Wochenende erst onleihe2->onleihe3 und dann zu Overdrive. Ja dann ist eben von Freitag bis Montag keine Onleihe möglich aber die User danken es Ihnen.
So müssen Sie alles auf onleihe3 migrieren, neue App installieren und nach 4-8 Wochen geht das nochmal von vorne los?

s.o: man mutet dem Leser zwei Migrationen zu. Sie schreiben nicht wie hoch der Aufwand war bei der Migration onleihe2-> onleihe3 um Endkunden zu unterstützen. Das könnte man von Onleihe/Overdrive erwarten, hier eine Kombimigration anzubieten, statt sowohl den Bibliotheken als auch den Endusern diesen Aufwand zu ersparen.
Sie beschreiben eine Migration als Sie als Bibliothek freiwillig zu Overdrive umgezogen sind. Nun geht es um eine „Zwangsmigration“ in kurzer Zeit zu Overdrive.

8 Likes

Alter Schwede: :face_with_hand_over_mouth: @neckarpie

Monopol: just for Info. Die Onleihe hatte bis 2015 das Monopol für eLending in Deutschland. Erst Overdrive hat dieses Monopol dann mit seinem Einstieg beendet. Mittlerweile gibt es neben Overdrive noch andere Anbieter, also um so besser!

Alles wird nun schlimm und teuer: Sorry, aber Overdrive ist nicht doof. Wenn die an der Preisschraube drehen für die Plattform und auf die Buchpreise noch was drauf packen, dann wäre das nur ein Geschenk für Bolinda und WeDoBooks. Die Bibliotheken können Preise vergleichen! Ich denke Overdrive hat ein hohes Interesse, den Umstieg der OnleiheKunden so zu gestalten, dass am Ende wieder ein ruhiges Fahrwasser erreicht wird. Ja, das wird jetzt wirklich sportlich für viele Einrichtungen und regelmäßig ziemlich rumpeln. Aber, ob der Wechsel zu einem skandinavischen oder australischen Platzhirsch jetzt entspannter verlaufen wird? Jetzt haben die Bibliotheken, aber eine Wahlmöglichkeit, die es vor 5 Jahren so noch nicht gab.

Verlage: Ähm, eLending, ist ein absolutes Reizthema für die klassischen Papierverlage. Bei ihnen würde sich der Protest sicher in Grenzen halten, wenn die Bibliotheken sich nur noch auf die Papierleihe konzentrieren würden. Ich denke ein Cost-per-Circle-/Pay-per-Use-Lizenzmodell fänden die Verlage vielleicht ganz schick, aber dann kann man sein Geld als Bibliothek auch gleich aus dem Fenster werfen.

Schlussendlich: Wissen Sie, ich bin in meiner Kindheit und Jugend mit genug Schwafeleien über den pösen Monopolkapitalisten aus dem Westen/USA versorgt worden. Ich benötige da keine Nachhilfe von Ihnen! Am Ende muss man sich aber die Firma und das Produkt anschauen, miteinander ins Gespräch kommen und dann muss man entscheiden. Für uns war/ist mit Blick auf den User Overdrive einfach das bessere Produkt! Ob jetzt der Frust, weil man sich von der Divibib im wahrsten Sinne des Wortes verkauft fühlt, ein guter Ratgeber bei den nächsten Richtungsentscheidungen ist, stelle ich daher mal in Frage.

Ach ja, Kaffee/Kuchen habe ich damals selbst gekocht/bezahlt, als wir Overdrive in die Bibliothek geladen haben. Das gehört sich einfach so, wenn man ins Gespräch kommen möchte. Sie verwechseln da also einiges bei Ihrem VertriebsABC. :yawning_face:

6 Likes

Für solch einen Diskurs bin ich hier!

1 Like

Sie vergleichen - mal wieder - Äpfel mit Birnen. Das „Monopol“ der Onleihe ist aus eigenem Wachstum entstanden, die neue noch extremere quasi-Monopolsituation ist eben durch die Übernahme der Divbib durch Overdrive entstanden. Im ersten Fall kann das Kartellamt nie tätig werden, in zweiten Fall ist hier der Umsatz zu klein. Ansonsten wäre die Übernahme in jedem Fall untersagt worden. Das Kartellrecht soll NEUE Monpolsituationen verhinden, da damit ja der Wettbewerb wegfällt. Der Markt wird eben durch die Übernahme sehr einseitig. Auch nach 2015 hatte die Onleihe einen beherrschenden Einfluss im relevanten Marktsegment.

Overdrive hätte mit KKR genügend und mehr finanzielle Ressourcen als die EKZ Gruppe gehabt. Die Überlegung war einfach: Geld in den Markt reinpumpen um Marktanteile zu gewinnen oder eben einen entsprechend lukrativen Preis für die Übernahme der divbib GmbH anzubieten. Mit Sicherheit hat man sich bei Overdrive die Varianten durchgespielt und sich dann für den Kauf entscheiden. Über die Gründe kann man sicher spekulieren aber man hat wohl keine Chance gesehen einen relevanten Marktanteil aus eigener Kraft in den nächsten2-3 Jahren zu ereichen.

Ihre Naivität ist einfach unfassbar. Versetzen Sie sich EINMAL in die Situation von Overdrive. Die haben die divbib nicht gekauft, weil sie Wohltäter sind. Es gibt genügend Beispiele welcher Automatismus hier greift.
Overdrive ist eine Firma, die Geld verdienen will und das ist auch völlig legitim. Overdrive will wachsen und wertvoller werden, damit die Investoren Kasse machen (i.d.R. innerhalb von 3-5 Jahren).

Es wird nicht schlimmer, technisch gesehen vielleicht sogar einfacher, aber es wird defintiv nicht preiswerter - bestenfalls kostenneutral. Selbst bei einem Aufschlag von 10% würde es keine Kündigungswelle geben.
Irgendwo stand, man wolle das Produktportfolio und die Verträge vereinfachen. Das hört sich ganz toll an, ist aber oft mit schlechteren Konditionen oder Lizenzen verbunden.

Ja man kann kündigen… aber was macht man dann?

Wohin will man denn gehen?
Wer hat entsprechende Verträge mit Verlagen?
Wer hat eine entsprechende App die hier auch allen gesetzlichen Vorgaben entspricht?
Wer bietet die Gewähr auch langfristig im Markt bleiben zu wollen,..

Haben Sie hier belastbare Kandidaten, die einen Teil der Funktionen bieten könnten?

Ärgerlich ist der noch höhrere Marktanteil von overdrive + onleihe. Damit hat man sich auf längere Zeit dern Markt gesichert und es für neue Marktteilnehmer noch unattraktiver gemacht in den deutschen Markt einzusteigen.

Leider setzt sich im Markt nicht die beste Lösung durch, sondern die mit dem besten Marketing.

Es gibt sicher tolle andere Lösungen, aber als Kunde muß ich mir schon überlegen:

  • ist die Lösung erprobt?
  • ist die Lösung am Markt etabliert (an meinem relvanten Markt)
  • wie ist die Zukunftsperpektive der Lösung?
  • setze ich auf einen Anbieter mit < 10% Marktanteil?

Es gibt diesen doofen Spruch aus der IT „wegen IBM ist niemand gefeuert worden“. Da ist -leider- was dran. Nimmt man einen kleine Anbieter und es tut nicht gibt es Ärger, vertraut man dem großen Anbieter kann man sagen „das konnte ja niemand ahnen“.

So und Bolinde und Wedobooks sollen ernsthafte Konkurrenten sein?

  • wer setzt das ein, Referenzen?
  • Erfahrung im deutsche Markt ?
  • hat man Interesse am deutschen Markt (Sprache, Mentalität, Servicepersonal etc..)

Nur mal so…
Bolinda: Kontaktdaten sind eine Telefonnummer in Australien und England. Weit weg von Daten die in Deutschland vorgeschrieben sind.. Keine Referenzen und wenig Inhalt…

Wedobooks: Immerhin vernünftige Kontaktdaten, Marktführer in Skandinavien, ähnliche Struktur wie die „alte“ onleihe. Ja das könnte was werden, die Frage ist eben: wollen die in den deutschen Markt? Neue Märkte erschließen kostet erstmal Geld, welches an anderer Stelle fehlt. Dafür braucht man dann eine entsprechend gefüllte Kasse.

Die Welt ist voll von gescheiterten Markteintritten in fremde Märkte, die später dann teuer bezahlt wurden.

Da wäre die Politik gefragte,die gesetzlichen Regelungen wurden zu einer Zeit gemacht, als es eben Bücher gab. Die online-Medien wurden -leider für uns Leser und die Bibliotheken- kaum berücksichtigt. Hier fehlt eben die Lobby und die Verlage haben wenig Interesse hier Privilegien einzuräumen. Freiwillig wird sich seitens der Verlage wenig ändern.Man müsste bei online Medien ähnliche Beidungen durchsetzen wie bei einem gedruckten Buch.

Overdrive mag ja in vielen Punkten besser sein (Technik, Preis), trotzdem haben Sie zu lange gebraucht Marktanteile zu erzielen. Der technische Vorsprung hat eben nicht gereicht einen entsprechenden Marktanteil zu erzielen.
Ich habe keinen Frust, da ich kein Entscheidungsträger bin weder pro noch contra Onleihe, Overdrive oder was auch immer. Viele Dinge aus Sicht der User in der onleihe3 finde ich total schlecht (subjektiver Eindruck). Es gehörte am Schluss nicht viel dazu, besser als die Onleihe zu sein (aus Sicht eines normalen Users).

Ich war nie im Vertrieb, aber die Zeiten in denen Overdrive den roten Teppich ausrollt sind vorbei. Sie gehörten eben zu den ersten Kunden und Overdrive war interessiert an Referenzen im deutschen Markt. Ausserdem lernt man, wie man des eigene US-geprägte Geschäftsmodell hier anwenden kann.

Overdrive hat es nicht mehr nötig, man hat ja den Marktführer gekauft. Selbst wenn 20-25% der Kunden abspringen, besitzt man genügend Marktmacht.
Die Frage ist gerade, wo will man denn hin?

Natürlich wird Overdrive den Kunden betrachten und möchte Umsatz und Gewinn steigern. Aber mit der neuen Machtposition muß man nicht mehr jede Klinke an jeder Bibliothek putzen. Wichtig sind die großen Verbände oder Stadtbibliotheken.

Nur zum Verständnis, ich bin in keinem Arbeitsverhältnis zu einer Bibliothek, nur Nutzer und indirekt im IT Bereich habe ich Berührungspunkte.

Ich finde es frustrierend wie Entscheidungsträger im Glauben eine EKZ muß Rendite abwerfen die Reisleine gezogen haben. Man hat damit bei einem zentralen Lieferanten massiv Einfluss verloren.
Die EKZ hat sich mit dem schwindenden Einfluss der ehemals kommunalen EIgentümer immer weiter weg von den Kunden entfernt. Nun muß man tatenlos zusehen was passiert.

4 Likes

@neckarpie ich halte ihre Ausführungen für stellenweise etwas oberflächlich und zu weit entfernt von der Erfahrungswelt der Stadtbibliotheken. Die Zeit ist jedoch vorbei, seinen Fokus auf Risiken und Gefahren eines Plattformwechsels zu setzen. Diese Perspektive hat man jetzt 10 Jahre bei vielen Stadtbibliotheken gepflegt und gehofft, die Onleihe möge ihre Performance bessern.

Kurz noch zur Konkurrenz von Overdrive:

Bolinda hat in Australien, Irland, Großbritannien eine sehr starke Homebase. Was sicherlich eine gute Vorraussetzung ist für den Sprung nach Kontinental-Europa ist. Mittlerweile hat man in Deutschland auch einige Stadtbibliotheken gewinnen können, was als Referenz ziemlich wichtig ist.

WeDooBooks ist Platzhirsch in Skandinavien, und hat 2025 Libreka & Zeilenwert übernommen, die sehr aktiv im Bereich Ebook-Aggregation und Distribution unterwegs sind. Ein guter Schachzug, wie ich finde, um in den deutschen Markt für eLending einzusteigen.

Und für mich das WICHTIGSTE: ich habe in den letzten 2 Jahren keine Kollegin einer Stadtbibliothek getroffen, die mir erzählt hat, sie habe den Wechsel zu Overdrive/Bolinda bereut. Im Gegenteil! Und das zählt!

3 Likes