Auch in Berlin sind Personalmangel, finanzielle Engpässe und Haushaltssperren definitiv Probleme - da wir in Berlin 12 eigenständige Stadtbibliotheken haben, die vollkommen unterschiedlich sind (Größe, Personalschlüssel, Ausstattung, finanzielle Situation des Stadtbezirks) haben wir Bezirke, die gut ausgestattet sind, und wiederum andere Bezirke, die wirklich Probleme haben, ihre regulären Öffnungszeiten und Angebote zu stemmen. Das wird im berlinweiten Vergleich immer vergessen und kann innerhalb der Jahre auch schnell wechseln: vom gut ausgestatteten Bezirk zum „Konsolidierungsbezirk“ mit Haushaltssperre
Kann ich den Punkt „unsere Angebote“ mal konkret bekommen? Die Ausweitung der Öffnungszeiten ist ja auch anders zu lösen, die könntet ihr technisch seit Jahren umsetzen. Generell geht es nicht um die Frage, was für euch vor Ort bzw. schön wäre. Exakt das ist der Kern der Diskussion, der offensichtlich nicht aufzulösen ist.
Die Frage ist nicht, was ich persönlich als „zu viele Dienste“ sehe, sondern wie die Kolleginnen ihre eigene Situation betrachten. Und da kam aus allen Berliner Bezirken, auch aus Pankow, die Antwort, dass das Personal nicht reicht und dass die Überlastung da ist. Du kennst ja unsere dazu geführte Umfrage aus 2023/2024, aber ich hänge sie für dich und alle Interessierten hier nochmals an.
Wenn es bei euch mit den Ausgleichstagen klappt - super! Damit habt ihr ein echtes Merkmal in Berlin.
Den Hinweis auf die „Steuergelder“ kann ich nicht einordnen: Wir sind für alle Bürger_innen da, und auch die Mitarbeitenden zählen zu den Steuerzahlenden - und haben somit ebenso Mitspracherecht. Dass man mit Sonntagsöffnung mehr und andere Nutzende erreicht, ist eine noble Hoffnung - aber auch hier fehlt es an belastbaren Beweisen dafür, sowohl für die Behauptung an sich, als auch für die Notwendigkeit. Somit ist es am Ende wirklich nur eine Statistikzahl im Bereich der Öffnungsstunden für die Kostenleistungsrechnung, zulasten von und auf Kosten der Beschäftigten.
ver.di Berlin - Umfrage Wochenendarbeit 2023-2024.pdf (3,9 MB)
Wichtiger Punkt. Man brauch IMMER zwei zusammenhängende Ausgleichstage.
Kosten pro Jahr und Besucherzahlen Sonntagsöffnung am Beispiel Wuppertal:
Sonntagsöffnung ohne Fachpersonal, also gar keine Veränderung zum Status quo.
Wir haben an 4 Sonntagen im Jahr mit Fachpersonal geöffnet. Das sind die Vier großen Innenstadtfeste unserer Stadt. Wir tragen dazu mit eigenem Programm bei und machen den Sonntag dann mit 3-4 Menschen. Alle Einsätze sind freiwillig. Aufgrund der Zuschläge, die gezahlt werden (macht je nach dem 40-60€ steuerfrei pro Tag) und der überschaubaren Anzahl mit langer Planungsfrist, war es nie ein Problem genug Leute zu finden. An den Sonntagen haben wir sehr viele Neuanmeldungen von Menschen, die einfach Zeit haben und mal reinschauen und sich anschließend dann anmelden. Die Besuchszahlen sind aufgrund der großen Frequenz an Menschen hoch und man ist Teil schöner Stadtfeste. Voraussetzung ist natürlich eine Beteiligung aller im Kollegium. Ansonsten haben wir die Besuche an anderen Sonntagen gemessen: Tote Hose. Das decken wir über Open-Library ab und das funktioniert hervorragend. Was ich damit sagen will: Es gibt halt hier wie so oft kein schwarz und weiß, sondern einige Schattierungen dazwischen. Es muss nur sinnvoll durchdacht werden.
Ähnlich halten wir es auch - normalerweise findet am Sonntag die Öffnung als Open Library statt, und bei Stadtfesten und den Verkaufsoffenen Sonntagen (2026 sind es drei) sind wir mit Fachpersonal und auch einer Veranstaltung geöffnet, was sich auch immer lohnt. Wir haben 80 Sitzplätze für Veranstaltungen, und diese sind an diesen Sonntagen auch immer gefüllt.
In einem anderen Thema ging es auch um die Zahlen der Samstagsöffnung, die sich nach den Besucherzahlen lohnt - so 250 bis 400 Personen im Vergleich zu den sonstigen 300 und 600 unter der Woche. Da ist der Sonntag mit 100 bis 250 deutlich niedriger. Aber, wie bei euch auch, sind „besondere“ Sonntage gut besucht - 2025 zum Frühlingsfest am verkaufsoffenen Sonntag über 600 Leute.
Open Library ist, wie von vielen Personen schon erwähnt, eine gute Lösung, wenn eine Art der Sonntagsöffnung gewünscht wird. Persönlich arbeite ich auch gern die paar Sonntage (so drei bis fünf), die dann mit Fachpersonal öffnen, da mein religiöser Ruhetag nicht an einem Sonntag ist und ich da gern die erwähnten Zuschläge auch mitnehme.
Vielen Dank für die Infos aus der Praxis.
Nachdem ich nun den Tarfivertrag und auch unsere Dienstvereinbarung, als auch das Arbeitszeitgesetz zu dem Punkt „Freizeitausgleich“ konsultiert habe, kann ich nirgends entdecken, dass zwingend zwei Tage hintereinander freigegeben werden müssen.
Ich fände das ja sehr schön, kann aber leider immer nur die Formulierung finden, dass ein Ersatzruhetag von 24 Stunden gewährt werden muss, und das innerhalb von 2 Wochen. Dieser Ersatzruhetag darf gern auf einen Werktag fallen und die 25% Zuschlag dürfen nicht auf den Ruhetag angerechnet werden.
Kurzum: Wenn ihr eine Quelle habt, die die 2-Tage-Regelung belegt, wäre ich dankbar dafür. Ich fürchte jedoch, das gibt die Rechtslage nicht her.
Ich bin mir dessen bewusst, danke. Es war von meiner Wenigkeit als Mindestforderung für eine Sonntagsarbeit gedacht; eines für jedes AN immer verfügbare zweitägige Wochenende. Letztendlich geht es mir darum, dass in jedem Falle ein zusammenhängendes Wochenende besteht (innerhalb von einem Zeitraum von 5-10 Tagen?) Wie und in welcher Form lässt sich dann streiten.
Es war wohl eher als Mindestanforderung gedacht.
Ach danke. Da habe ich die Forderung nicht rausgelesen.
Naja.. ich glaube, diese Forderung wird Forderung bleiben…
Frei nach dem Motto „Es ist zwar alles schon gesagt worden, nur noch nicht von jedem“:
Wenn man die Bevölkerung fragt, ob (öffentliche) Bibliotheken sonntags öffnen sollten, wird die Antwort natürlich eindeutig ausfallen: „Klar, am besten auch gleich bis 22 Uhr, mit Café, Makerspace UND zig Veranstaltungen.“ Aus Nutzersicht kann ich das natürlich absolut nachvollziehen, ist doch der Sonntag für viele der einzige Tag, an dem wirklich Zeit für einen Bibliotheksbesuch bleibt.
Aus Sicht der Angestellten (und vermutlich auch der Kommunen/Träger) ist die Sache natürlich weniger romantisch, da die meisten öffentlichen Bibliotheken ja eh schon mit knappen Personaldecken und begrenzten Budgets zu kämpfen. Da wirkt die Vorstellung einer zusätzlichen regelmäßigen Sonntagsöffnung schon wie: „Wir haben zwar zu wenig Personal für fünf oder sechs Tage, aber sieben schaffen wir bestimmt möglicherweise eventuell vielleicht gegebenenfalls unter Umständen irgendwie.“
Ich persönlich könnte mir durchaus vorstellen, ein paar Mal(!) im Jahr sonntags zu arbeiten, regelmäßig aber definitiv nicht und auch nur, wenn die sonstigen Rahmenbedingungen stimmen. Also freiwillig(!), mit vernünftiger Vergütung und/oder Freizeitausgleich und OHNE, dass dadurch die ohnehin schon angespannte Personalsituation unter der Woche noch weiter verschärft wird. Allerdings habe ich natürlich vollstes Verständnis für alle Kolleginnen und Kollegen, die sonntags nicht arbeiten möchten oder können. Der Sonntag ist für viele ein wichtiger Tag für Familie, Freunde, Aktivitäten oder einfach nur Erholung, das sollte niemals leichtfertig beiseitegeschoben werden. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass Leute, die unter der Woche selten bis nie Zeit haben die Bibliothek aufzusuchen dies am Sonntag tun können, aber das gilt umgekehrt dann selbstverständlich genauso. Ein Argument, welches ich schon x-mal gehört habe: „Open Library am Wochenende ist schön und gut, aber zum Ausleihen brauche ich ja trotzdem einen Ausweis, den man sich nur zu Zeiten erstellen lassen kann, an denen ich sonst arbeiten muss!“. Ja und? Auch ich muss mein Auto ummelden, den Steuerberater aufsuchen oder zur Anwältin während meiner regulären (Kern-)Arbeitszeit. Natürlich sind dies im Gegensatz zu einem Bibliotheksausweis wirklich wichtige Angelegenheiten - aber wer wirklich, wirklich, wirklich unbedingt einen Ausweis braucht kann mir nicht erzählen, dass er das nicht irgendwie gewuppt kriegt (wobei es natürlich bei Schichtarbeit, Pendeln, Familie etc. Ausnahmen oder andere „Extremfälle“ gibt, das möchte ich gar nicht abstreiten).
Am Ende wäre es schön, wenn die Diskussion nicht nur um die Frage kreisen würde, ob Sonntagsöffnungen wünschenswert sind. Die spannendere Frage ist doch: Wer soll sie eigentlich leisten und mit welchen Ressourcen? Denn zusätzliche Öffnungszeiten gibt es leider nicht zum Nulltarif, auch wenn manche politischen Forderungen manchmal genau diesen Eindruck vermitteln.
Tatsächlich ist das nirgends so geregelt. Ich halte es aber für eine sehr gute Idee, diese Lösung in die Dienstvereimbarung zur Sonntagsarbeit mit aufzunehmen. Ich gehe aktuell auch nur von einem bis zwei Sonntagsdienstem im Jahr aus. Damit und mit zwei zusätzlichen Studentischen Hilfskräften, sollten wir die zusätzliche Öffnung gut hinbekommen. Aber erst muss das Gesetz auch verabschiedet werden.
Die Zwei-Tage-Frei-Regelung sollte jeder Bibliotheksleiter schon im eigenen Interesse durchsetzen. Denn nur so verschleißt man seine Kollegen nicht. Er muss natürlich auch selbst Dienst tun, denn nur was man selbst gibt, kann man auch von anderen verlangen. Ich hatte in der Vergangenheit auch schon zerrissene Wochenenden (Samstags bis 15:00 Uhr und montags wieder antanzen) und das möchte ich wirklich niemandem antun.
Ja unbedingt - wir alle brauchen Pausen und Zeit für Familie, Hobby, Einkaufen, etc.
Und natürlich sind Vorgesetzte ausdrücklich mitgemeint - nur eine engagierte Führungskraft, die selbst am Wochenende im Dienst ist, ist glaubwürdig!
Na da kann ich sagen: Bei uns ist die Leitung regelmäßig jetzt schon samstags dabei und wird das dann auch sonntags machen. Da habe ich keine Bedenken.