Aktueller Hinweis:
Gerne in den Diskurs gehen.
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Meine Meinung dazu teilt sich auf in „Die Möglichkeit, dass Bibliotheken sonntags öffnen können“ und „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Personal sonntags zur Arbeit verpflichtet werden kann“.
Zum Ersteren stehe ich relativ lustlos und neutral - wenn eine Bibliothek sonntags öffnen möchte, soll sie das ruhig tun. OpenLibrary ist ein probates Mittel, und das Gesetz schafft ja nur die Möglichkeit, und keinen Zwang.
Auf der anderen Seite besteht die große Gefahr, dass Bibliotheken dann ihr Fachpersonal zur Arbeit am Sonntag verpflichten und das Personal hier keine Möglichkeit hat, sich dagegen zu wehren. Hierzu hatte ich bereits viele Diskussionen und Streitgespräche, sowohl mit dem dbv Berlin (dem das Schicksal des Personals nicht so wichtig war, und wo man auch ganz offen für Sozialpläne bei der Sonntagsarbeit war: Beschäftigte mit Kindern/pflegebedürftigen Personen nicht, alle anderen natürlich) als auch mit Fachbereichsleitungen. Die Position des dbv dabei erschüttert mich immer noch am meisten.
Alles in allem kann ich für die Beschäftigten nur hoffen, dass sie hier möglichst unbeschadet bleiben.
Ein Bibliotheksgesetz wäre wichtiger gewesen. Von der freiwilligen Aufgabe zur Pflichtaufgabe. So stehen wir immer auf der Streichliste, da hilft die Sonntagsöffnung auch nicht.
Die Position des dbv hat hier eigentlich auch alle KollegInnen erschüttert. Ein Verband, der wider besserem Wissen und bekannten Umfragen so dermaßen gegen die Interessen der meisten Angestellten im Bibliothekswesen arbeitet (bei Vorgesetzten sah es ein wenig anders aus - ja, ich weiß das)… Völlig unverständlich.
Öffnung ohne Fachpersonal, mit Open Library: Meinetwegen.
Zwangsverpflichtung bei den eh schon meist nicht schönen Arbeitszeiten (weshalb wir bereits einen eklatanten Nachwuchsmangel haben!): Einfach: Nein.
Ich spreche hier nicht für unsere Bib sondern die meisten meiner KollegInnen…
Ich sehe die Sonntagsöffnung bekanntermaßen äußert kritisch. Gut, sowohl DBV als auch BIB haben ihr Ziel erreicht, Glückwunsch. Ebenso den Kolleginnen und Kollegen, die sich sich hierfür engagiert haben. Erste „Begeisterung“ ist schon auf diversen Kanälen kundgetan worden. Vielleicht haben die Bibliotheksleitungen aus den großen Häusern einen diesbezüglichen Tipp für uns auf dem platten Land.
Ich fände ein Engagement für essenzielle Themen wie Finanzen, Personal und Medienausstattung deutlich wichtiger. Über den Punkt Pflichtaufgabe gar nicht zu reden.
Nun ist es erstmal wichtig, darauf zu achten, dass die Sonntagsöffnung für Bibliotheken freiwillig bleibt und sie je nach Lage selbst darüber entscheiden können. Wenn sonntags gearbeitet wird, ist es wichtig alle Regelungen der Sonntagsarbeit mit Zeitausgleich etc. zu gewährleisten. Ich denke, die essenziellen Themen Finanzen, Personal, Medienausstattung, Pflichtaufgabe müssen als nächstes unbedingt auf den Tisch.
Demografieblind, sozialpolitisch desinteressiert und mit kommunalpolitischem Realitätsverlust durchgesetzt - somit findet eine der größten verbandspolitischen Ressourcenverschwendungen der letzten Jahrzehnte sein Ziel. Die Entwicklung der Öffentlichen Bibliotheken zu Open Library wird glücklicherweise den Teil der Relevanz erlangen, den das Thema Sonntagsöffnung nie entwickeln konnte und auch nie entwickeln wird.
Eine Ergänzung noch: die Sonntagsöffnung ist auch eine Revolution von oben. Der ganze Diskurs um Bibliotheken als demokratische Orte verliert seinen Halt, wenn elementare Veränderungen von Leitungsebenen oktroyiert werden. Gerade jene Leitungsebenen, die hier ohne Rücksicht auf Verluste - ich blicke auch noch immer auf die unrühmliche Rolle des BIB - dieses Thema vorangetrieben haben, sollten ihre von demokratieschwangeren Worte überdenken.
Da ist was dran. Allerdings sind wir ja alle in unseren Betrieben dafür verantwortlich, das Zusammenarbeiten demokratisch zu gestalten. Bei u.a. Sonntagsarbeit ist ein starker Personalrat/Betriebsrat gut. Gute Verhandlungen und Betriebsvereinbarungen, in denen beide Seiten - Leitung und Personalrat - auf Augenhöhe und in konstruktiver Auseinandersetzung Lösungen finden sind wichtig und möglich.
Das ist absolut korrekt. Hier liegt dann eine kommende Aufgabe für uns alle in unseren Häusern. Es ist gleichwohl eine von oben etablierte Machtasymmetrie, die den Druck nun auf die Mitarbeitenden verlagert.
Mich erschüttert das beim dbv gar nicht mehr - Vielen Dank an Frau Lison & Co., die das unbedingt durchboxen wollten. Und an Herrn Becker, der den Personalverband in diese Ecke gedrängt hat…
Wie wird es kommen? Gemeinderäte und/oder (Ober-)Bürgermeister wollen das unbedingt haben, es wird aber nicht mehr Personal geben und Geld für Open Library ist auch nicht da, und natürlich sollen die Öffnungszeiten an anderen Tagen nicht gekürzt werden…
Von daher ist das Gerede von „natürlich nur mit ausreichendem Personal“ eine Lachnummer.
Edit: Teppfihler korrigiert
Das ist er - der Populismus der Entscheidungsträger. Da hätte es weiß Gott Wichtigeres gegeben. Ich sage nur: Bibliotheksgesetz (das den Namen verdient), Preisbindung bei eMedien …
Diese Entscheidung steht nicht in Relation zur Wirklichkeit - Abnehmende Ressourcen (Personal, Geld, Räumlichkeiten) und zunehmende Forderungen was wir noch alles machen sollen.
Ehrlich: Ich bin oft froh den Alltagsbetrieb mal wieder gestemmt zu haben.
Solveig Kerstin Koob - Stabü HP
Aus Sicht der Bevölkerung ist eine erweiterte Sonntagsöffnung natürlich absolut sinnvoll und überfällig. Allerdings sehe ich diese bei den meisten Bibliothekn aufgrund der bereits genannten Punkte [genereller Personalmangel, finanzielle Situationen vieler Kommunen etc.] in den nächsten Jahren nicht wirklich als realistisch, abgesehen natürlich von entsprechenden Open Library-Konzepten.
Als Bibliothekskunde wüsste ich eine Sonntagsöffnung sehr schätzen. Gerade für Menschen in Vollzeit ist das Wochenende oft die einzige Zeit die Angebote vor Ort zu nutzen, unter der Woche bleibt das häufig auf der Strecke.
Aus der Perspektive der Mitarbeitenden sehe ich die Sonntagsöffnung kritisch. Ich arbeite bereits einmal im Monat samstags, käme zusätzlich der Sonntag dazu, wären damit zwei Wochenenden betroffen. Dies ist weder gesund noch attraktiv und verschärft die ohnehin herausfordernde Personalplanung.
Open Library erscheint mir als sinnvoller Mittelweg. Dort, wo das Konzept bereits läuft, ließe sich ein Sonntag unter Umständen relativ unkompliziert integrieren. Allerdings ist Open Library kein Selbstläufer – man braucht ein entsprechendes Konzept, die technische Ausstattung, sowie Sicherheitskonzepte (ggf. Wachpersonal). Dies muss auch erstmal finanziert werden.
Grundsätzlich teile ich eure Meinung: Der Fokus sollte weniger auf der Sonntagsöffnung als auf einem Bibliotheksgesetz liegen. Eine Sonntagsöffnung ist „nice to have“. In Zeiten wo Öffnungszeiten eher gekürzt als verlängert werden, wäre mir eine dauerhafte Stärkung der Bibliotheken und eine verlässliche Finanzierung wesentlich wichtiger. Erst wenn diese Grundlage steht, kann man über zusätzliche Öffnungszeiten sprechen.
Interessanter Diskurs, danke für die vielen Einblicke und den regen Austausch!
Mich würde dahingehend jetzt noch interessieren, woher die pauschale Vermutung kommt, dass Fachpersonal dann in jedem Falle auch an Sonntagen eingesetzt werden wird? Und ja, Open-Library ist ein spannendes Konzept, die Entwicklungen dahingehend verfolge ich gespannt.
Hier bei uns gibt es in den „engen“ Zeiten (Urlaubszeiten, viele Krankmeldungen) Monate, in denen einzelne Mitarbeitende bis zu 3 Samstage leisten müssen. Die reine Öffnungszeit bei uns ist „nur“ 3 Stunden, dazu kommt halt Vor- und Nachbereitung und auch noch so etwas wie An- und Heimfahrt.
Wenn ich mir überlege, dass diese KollegInnen dann auch noch an Sonntagen kommen müssten…
Ganz ehrlich: Für kleine bis mittlere Bibliotheken sehe ich den Sonntag eher nicht mit Fachpersonal. Klar, auch da gibt’s personell super aufgestellte Städte - aber in der Mehrheit…?
Vielen Dank lieber @VFritz dass Du das so deutlich bennennst. Ich hatte auch immer eine kritische Meinung zur Sonntagsöffnung.
Viele Kolleginnen und Kollegen die mich dahingehend früher angesprochen haben, haben ihren Unmut über die Aktivitäten kundgetan.
In Zeiten knapper und klammer Kassen, schwindenden Personalressourcen, so etwas zu propagieren und gesetzlich verankern lassen, zeugt mir von Unverständnis und Realitätsferne gegenüber den Bibliotheksbeschäftigten. Da hilft auch die Aussage „nur mit ausreichendem Personal“ oder „das muss jetzt in den Häusern gut ausgestaltet und begleitet werden“ nichts. Denn es ist immer die Leitung die entscheidet und es nach unten durchsetzt.
Auch Bibliotheksbeschäftigte sind Menschen, die eine Familie haben, ein Privatleben und schon genug Stress haben die ganze Woche die Arbeit in ihrer Bibliothek zu stemmen. Diese freuen sich auch über einen Sonntag, wo sie durchschnaufen können.
Es würde mich nicht wundern, wenn im Zuge dessen, engagierte Bibliotheksbeschäftigte und Verbandsmitglieder vielleicht aus dem Verband austreten.
Vor allem fördert es nicht unbedingt die Bereitschaft von Interessenten, sich in eine Ausbildung für den Bibliothekssektor zu begeben…![]()
Einerseits kann ich das nachvollziehen, andererseits würden wir als Bibliothek am Sonntag ohne Fachpersonal ggfs. der Deprofessionalisierung huldigen - wie dann vermitteln, dass es uns braucht?
Inwiefern? Weil der Ort zugänglich ist, ohne dass das bibliothekarische Fachpersonal da ist?
Dann wären wir halt auf einer Stufe mit den Museen. Da brauche ich im Öffnungsbetrieb halt auch keinen Kurator, um die Räumlichkeiten erfahren und nutzen zu können. Ohne die relevanten Arbeiten des Fachpersonals gäbe es diese Möglichkeiten jedoch nicht. Da sehe ich keine „Huldigung einer Deprofessionalisierung“.