In NRW haben wir die MÖGLICHKEIT der Sonntagsöffnung ja schon seit geraumer Zeit, und ja: es gibt Bibliotheken die sie nutzen. In den meisten Fällen mit OpenLibrary ohne Fachpersonal und ggf. einem Sicherheitsdienst. Ich denke, daß man sich, auch wenn es schwerfällt, nicht übermäßig aufregen sollte. Es gibt Personalräte, die hoffentlich auch bei Euch und Ihnen so hilfreich sind wie sie es in den allermeisten Fällen in NRW sind. Niemand kann mal eben so gezwungen werden am Sonntag zu arbeiten. Wenn doch, nun ja… „The Imperium strikes back…“. Dann ist hoffentlich jeder Mitarbeiter so schlau, den „Ausgleichstag“ für den Sonntag an einem Wochentag zu nehmen, der der Bibliothek so richtig weh tut, weil dann noch weniger Personal für qualifizierte Arbeit vorhanden ist. Und die, die im Dienst sind, sind dann hoffentlich so schlau es den Kollegen nicht übel zu nehmen. Es geht darum, diesen Irrsinn zu unterbinden, und das geht nur durch Zusammenhalt. Wir sind hier nicht in einer Baumwollspinnerei im 19. Jahrhundert und haben durchaus Möglichkeiten zu zeigen, daß es so nicht geht. Bloß nicht ins Bockshorn jagen lassen! In manchen Städten mag es ohnehin die Möglichkeit geben, daß Studenten Interesse daran haben am Sonntag in der Bibliothek zu arbeiten um ihr Salär aufzubessern so daß das Stammpersonal verschont bleibt. Also: Ruhe bewahren und mit dem Personalrat sprechen. Das man etwas DARF heißt nicht, daß man es MUSS, und wünschen können sich die, die die Sonntagsöffnung wollen so Einiges…
Es bleibt als Fazit: wir müssen endlich gesichert werden. Bei dem was wir leisten, leisten sollen, leisten können, muss eben auch ein sicherer Betrieb gegeben sein. In meiner Dissertation schreibe ich über Menschenrechte und Bibliotheken und bin sicher nicht die einzige, die Begründungen für den verbindlichen Betrieb von Bibliotheken finden und darstellen kann. Wer den Job seit vielen Jahren macht, darf, so finde ich, auch eine fundierte Meinung haben. Positionspapiere können auch von der Basis kommen. Wer sich berufen fühlt hier etwas anzuregen: go for it.
Leider gibt es hierzu wenige hilfreiche Einlassungen von den Verbänden zu - in den letzten Debatten zur Sonntagsöffnung kam vom BIB nur ein Hinweis auf ein Positionspapier von 2014 (und leider keine neue Einlassung), und der VDB ist ja leider ein Fan der Sonntagsöffnung. Einzig ver.di hat sich wiederholt, sowohl im Bund als auch in den Ländern, gegen eine Sonntagsöffnung gestellt - aber kämpft da recht allein auf weiter Flur.
Meiner Meinung nach liegt das Problem darin, dass alle von den Bibliotheksmitarbeiter:innen alles erwarten. Wir müssen für Demokratie, Meinungsfreiheit, Menschenrechte usw. kämpfen, wir müssen Geflüchtete, Senior:innen, Kinder, Jugendliche und sozial Benachteiligte unterstützen und versuchen jeden Tag, unsere Gesellschaft zu stärken. Im Gegenzug erhalten wir Drohungen, schlechte Bezahlung, Unsicherheit am Arbeitsplatz und einen Tag extra Arbeit. Es geht hier nicht um den Sonntag an sich, sondern um das Prinzip. In vielen Bibliotheken, besonders in den ÖBs, ist so wenig Personal, sodass die Überstunden nicht abgebaut werden können. Und das sage ich aus Erfahrung.
Es geht auch um den Sonntag an sich: Viele von uns haben Familie und Freunde, für die nur am Wochenende so richtig Zeit bleibt.
Den Eindruck könnte man in der Tat gewinnen, allerdings bin ich der Meinung, dass das ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend ist, alles von allen zu erwarten - sein es Bibliotheken, Schulen, Behörden, Politiker, der Staat …
Ich denke, den Schuh kann man, muss man sich aber nicht anziehen. Jede Bibliothek kann, sollte - ja: muss! für sich entscheiden, was sie leisten und wofür sie stehen möchte. Unsere Ressourcen sind in jeder Hinsicht begrenzt - das muss man hier sicher niemandem erzählen. Das Setzen von Schwerpunkten ist m. E. nach aber auch Teil des Prozesses, mit dem wir uns (immer mal wieder) neu erfinden, und es hängt sehr von den lokalen Gegebenheiten ab.
Wir sollten aber als Bibliotheksmenschen so tolerant sein, zu akzeptieren, dass manche von uns halt auch einmal andere Schwerpunkte setzen als man selbst. Und das fällt uns nicht immer leicht, wie ich in so mancher Diskussion hier im Forum wahrnehme.
Und wie es um den Sonntag an sich geht. In manchen Bibliotheken arbeiten die Kolleginnen und Kollegen jeden Samstag, in vielen jeden zweiten Samstag, im Manchen einmal im Monat, je nach Öffnungszeiten und Personaldecke, aber wir alle tun es. Wer uns den Sonntag nimmt, nimmt uns das komplette Wochenende, denn selbst wenn der Samstag zum „Ausgleich“ frei ist: nutzt nix, wenn man am Sonntag früh raus muß um den Laden um 9 oder 10 Uhr aufzumachen.
Der offene Brief zur Sonntagsöffnung öffentlicher Bibliotheken, den der dbv vor nicht all zu langer Zeit aufgesetzt hatte und sich u.a. an Bundeskanzler Scholz und die Bundestagsabgeordneten richtete, kann übrigens immer noch unterstützt werden, zumindest wurde meine testweise Formulareingabe erfolgreich gespeichert (s.o.).
Wer sich also den 775 Unterzeichner*innen anschließen möchte, kann dies weiterhin hier tun:
https://www.bibliotheksverband.de/offener-brief-zur-sonntagsoeffnung-oeffentlicher-bibliotheken
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Ich bin sehr froh, dass der dbv dieses Thema zentral vorangebracht hat und ich freue mich schon auf den ersten legalen Dienst mit allen Services am Sonntag.
Wir öffnen in Pankow bereits einige unserer Standorte am Sonntag und die Nachfrage steugt und die Besucher:innenzahlen wachsen. Bisher konnten wir leider nur mit Wachschutz öffnen, aber unsere Besucher:innen wünschen sich vermehrt alle Services und Angebote auch am Sonntag nutzen zu können.
Ich war gerade in Finnland und habe mich dort mit Mitarbeiter:innen unterhalten die regelmäßig und gern am Sonntag in der Bibliothek arbeiten. Sie haben von vollen Bibliotheken berichtet und von einer generell gestiegenen Nutzung der Bibliotheken. Sie haben in Fonnland, aus meiner Sicht, gute Lösungen entwickelt, die unseren Bedingungen sehr ähnlich sind: 100 % Zuschlag zum Lohn und selbstverständlich ein Zeitausgleich.
Ich finde, es ist jetzt an der Zeit gemeinsam gute und sozialverträgliche Konzepte für die Sonntagsöffnung unserer Bibliotheken zu entwickeln. Unsere Nutzer:innen werden es uns auf jeden Fall danken.
Warum in die Ferne schweifen, wenn man auch die Kolleg*innen vor Ort nach ihrer Meinung fragen kann? Und als demokratiebewusster und demokratiefördernder Ort, was eine Bibliothek ja ist, sollte dann mit den Mitarbeitenden zusammen entschieden werden, ob sonntags geöffnet wird oder nicht.
Die letzte Umfrage von ver.di unter den Mitarbeitenden der Berliner Öffentlichen Bibliotheken hat eine klare Absage an die Sonn- und Feiertagsarbeit ergeben. Das sollte man dabei immer im Hinterkopf haben.
Ich würde sehr viel lieber sonntags arbeiten, als wie jetzt samstags.
Wieso nutzt es dir nichts den Samstag frei zu haben, wenn du am Sonntag arbeitest?
Es braucht für eine Sonntagsöffnung vor allem Personal. Vielerorts werden Stellen nicht mehr nachbesetzt und es gilt ein Einstellungstop. Ich sehe hier nur ein Open Library Angebot als realistisch an. Vielmehr sollte mal an einem Bibliotheksgesetz gearbeitet werden, als diese Nebelkerze zu zünden.
Und wenn es Services gibt, die sich nicht ohne Personal anbieten lassen, sollten eher die Services überarbeitet und verbessert werden, statt das Personal sonntags in die Bibliothek zu schicken.
Geht es denn eigentlich nur um den Sonntag, oder auch um alle Feiertage? So richtig konnte ich das jetzt nicht rauslesen. Dann wird es natürlich noch schwieriger.
In der Pressemitteilung des Beauftragten der Regierung für Kultur und Medien ist von „Sonn- und Feiertagen“ die Rede. Aber am Ende kommt es wohl auf die schriftliche Ausfertigung an.
Diese Antwort ist eigentlich schon klassische Variante des Diskurses: beinahe alle vorangegangenen Themen oder Anmerkungen werden ausgeblendet.
Es bleibt insgesamt derselbe Eindruck, den schon der sogenannte „Offener Brief zur Sonntagsöffnung Öffentlicher Bibliotheken“ hinterlassen hat. Hier kurz ein wenig Statistik: der Anteil der Leitungen (inkl. Erstunterzeichner*innen) liegt über 50% und betrachtet man nur die Einträge mit Funktionsangabe, dann liegt der Anteil bei über 60%. Der Anteil der nicht Unterzeichnenden ist mit Blick auf alle Beschäftigten überragend. Es ist ein Leitungsthema, leider ohne einen erkennbaren fachlichen Hintergrund.
Was schwerer wiegt: keine der Großstadtbibliotheken, die ich hier übrigens an vorderster Front sehe, hat es in der vergangenen Dekade vermocht über blumige Worte hinaus daten- und faktengetrieben irgendwas vorzulegen. Besucher:innenzahlen wachsen beinahe in allen Bibliotheken, auch ohne den Sonntag. Die Öffnung durch die wie auch immer genannte Variante der Open Library schafft in vielen auch kleinen Bibliotheken denöffentlichen Raum, der zuvor verschlossen war. Zudem stellt sich mir die Frage, welche Besucher:innen sich welche wünschen Services und Angebote wünschen. Hier bleibt es merkwürdig unkonkret - bibliothekspädagogische Angebote, Lesungen, Aktionskunst, Auskunft usw.?
Ich kann stete Behauptungen als Grundlage einer elementaren Gesetzesänderung nicht akzeptieren. Auch das mangelnde Interesse an den Folgen einer solchen Entscheidung bleibt merkwürdig. Ebenso die Berichte aus skandinavischen Ländern. Diese erzeugen auch mit anekdotischer Evidenz keine lokale Relevanz. Das Konzept der Kinderbibliothek in Kopenhagen stünde den Berliner Bibliotheken sicher auch gut zu Gesicht und hätte dann auch bildungspolitisch Traktion. Finnland ist nicht Deutschland. Dänemark ist anders als Schweden oder Norwegen. Gesellschaften sind nicht überall gleich. Die Mitarbeiter:innen aus Finnland haben sicher auch einen anderen Blick auf den Wehrdienst und die Landesverteidigung, ohne dass das Gespräch die Bibliothek in Pankow da jetzt durchrüttelt.
Ihr tragt doch gerne beständig bei BiblioCons mehr oder weniger neue Inhalte vor. Wie wäre es mal mit einer Studie zu dieser Frage? Dann könnte die Bibliotheksleitungswelt hier mal fachlich punkten und die Diskussion auch dahingehend auflösen und gute und sozialverträgliche Konzepte vorlegen - vielleicht geht die Bibliotheksleitungswelt dann ja auch am Sonntag voran mit dem Dienst?
Weil ich am Samstagabend möglicherweise gerne in die Oper oder ins Kino gehen möchte. Weil ich am Samstagabend möglicherweise selber im Chor stehe und singe. Weil es dann möglicherweise spät wird und ich nicht mit der Uhr im Nacken leben möchte weil um sechs oder sieben Uhr der Wecker klingelt. Und da ich schon dabei bin: für ein paar von uns ist es nach wie vor wichtig, am Sonntagmorgen in den Gottesdienst zu gehen, sei es, weil jemand sich im Presbyterium engagiert und Lektorendienst hat, sei es, weil er im Chor steht und singt, sei es aus anderen Gründen aus denen man da so hingehen kann. Auch da kann man die Uhr im Nacken nicht gebrauchen. Es ist völlig in Ordnung, wenn du lieber am Sonntag arbeitest als am Samstag, die Kollegen die NICHT am Sonntag arbeiten möchten werden dir zu Recht sehr dankbar sein sollte es zum Äußersten kommen
Bei anderen ist es anders. Vor die Wahl gestellt wählte ich immer den Samstag, so wie es bisher bei uns auch der Fall ist: die Sonntagsöffnung konnte sich nicht durchsetzen und ich wünsche allen Kollegen, daß sie sich erfolgreich zur Wehr setzen können wenn sie es denn möchten.
Nun leider gibt es laut TV-L keinen 100%igen Aufschlag auf das Entgelt, wenn man sonntags arbeitet. Es sind lediglich 25 %, was ein Witz ist für diesen harrschen Eingriff ins Privatleben. (man berichtige mich bitte, sollte ich falsch liegen → § 8 Abs. 1 Buchstabe c, Protokollerklärung zu § 8 Abs. 1 TV-L)
Und so empfinde ich das ganz persönlich: Es greift unverhätnismäßig stark in mein Privatleben ein. Mein Arbeitgeber sollte zumindest an einem Tag in der Woche keine Verfügung über mich haben. Ich finde auch verkaufsoffene Sonntage etc. nicht gut.
Dass es Menschen gibt, die die Bibliotheken sonntags nutzen möchten, liegt auf der Hand. Wenn ein Angebot geschaffen wird, wird es auch genutzt. Es tut aber auch nicht weh, wenn man als Open Library öffnet. Es gäbe andere Möglichkeiten die Services vor Ort zu stärken - z.B. wenn eine digitale Anmeldung vor Ort funktionieren würde, Ausleihschränke für die Bibliothek der Dinge vorhanden wären etc. pp.
Den Gedanken „alles muss immer verfügbar sein“ - somit meine Arbeitskraft auch - lehne ich ab.
TVÖD auch nur 25 %. Das ist ja echt frech.
Ich finde die Formulierung in der Pressemitteilung des DBV echt gruselig. Es liest sich so, dass wir am besten 24/7 mit Personal 365 Tage im Jahr aufhaben sollen.
