Erfahrungen mit ausschließlicher Kartenzahlung

Guten Morgen,

wir sind, nachdem sich unser Kassenautomat mit Bar- und Kartenzahlfunktion von uns verabschiedet hat, auf ein eingebautes EC-Gerät in einem der Selbstverbucher umgestiegen. Gleichzeitig haben wir an der Servicetheke eine Barkasse.

Dieses System läuft so seit ungefähr einem Jahr und die Geldsummen teilen sich halb/halb in Bar- und Kartenzahlungen auf, wobei es in der Menge der einzelnen Vorgänge mehr Bar- als Kartenzahlungen gibt.

Jetzt ist aber die Debatte entstanden, dass wir „im Zuge der Digitalisierung“ die Barzahlung komplett abschaffen. Ich bin auf sehr persönlicher Ebene kein Fan (es schließt z.B. Kinder aus, die ihre 2€ Gebühren selbst zahlen und keine Bankkarte haben, oder auch Menschen, die für 50 Cent nicht die Karte zücken wollen), aber möchte nicht aus dem Bauch heraus eine Entscheidung treffen, sondern fragen: wie sieht es bei anderen ÖBs so aus? Werden Bar- und Kartenzahlung parallel angeboten? Nur eine Zahlungsart (welche)?

Ich hoffe, andere Personen haben in diesem Bereich schon Erfahrungen gemacht!

Der große Vorteil der Barzahlung ist, dass ich keine Spuren hinterlasse. Vergleichsweise anonym kann ich zahlen, keine Bank, kein Zahlungsdienstleister kann hier Daten speichern, auswerten und verarbeiten.

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Vor längerer Zeit las ich von einer Stadtverwaltung in Brandenburg, die in alle ihren Einrichtungen ausschließlich Kartenzahlung anbietet. Dort kann man nur 1x im Monat im Rathaus Barzahlungen vornehmen, aber leider erinnere ich mich an den Namen der Stadt nicht mehr…

An sich macht es schon Sinn, beide Bezahlungsarten anzubieten (auch wenn die Barabrechnung immer Zeit kostet und fehleranfällig ist und das Bargeld abgeholt/weggebracht werden muss…), gerade bei kleinen Beträgen oder halt bei Kindern.

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Wir bieten Barzahlung, Karte und ePayment an, wobei immer noch der größte Anteil in bar gezahlt wird. Gerade bei unseren vergleichsweise geringen Beträgen ist das doch noch sehr beliebt.

Uns wurde viele Jahre lang die Kartenzahlung verwehrt, was von der Kundschaft sehr negativ aufgenommen wurde. Ich würde noch mehr Unmut erwarten, wenn wir jetzt die Barzahlung abschaffen würden.

Falls es personell zu stemmen ist, würde ich Barzahlung auf jeden Fall noch so lange anbieten, bis die Zahlen sich deutlich zu Gunsten der anderen Zahlungsmethoden verschieben.

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Wir haben keine Selbstverbuchung. Nach Jahren des Bohrens hat eine Kollegin es endlich geschafft, dass wir ab diesem Jahr auch Kartenzahlung anbieten können. Barzahlung ist aber weiterhin dabei, für 25 Cent Mahnbeträge über Jahresbeitrag bis höhere Mahngebühren. Wird weiterhin beides genutzt, mit mehr Barzahlungen. (Persönlich bin ich ein großer Freund des Bargelds und nutze meine Karte nur in Ausnahmefällen - Selbstbedientankstellen, nicht genug Bargeld dabei. Würde also auch bei uns mit Bargeld bezahlen.)

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Wir sind jetzt fast ein Jahr parallel mit Bar- und Kartenzahlung gefahren und das hat (bis auf die kleinen Fehler, die sich bei einer Barzahlung so einschleichen) auch immer personell gut geklappt.

Ich gehöre selbst zu den Leuten, die eigentlich immer alles bar zahlen, und würde mich sehr ärgern, wenn ich für 2€ Mahngebühr meine Karte zücken muss.

Auch bei der Kund*innenfreundlichkeit, die bei uns ein großes Thema ist, sehe ich eine ausschließliche Kartenzahlung ziemlich negativ.

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Spannend, bei mir ists genau andersrum: ich freu mich über jede Gelegenheit, wo ich kein Bargeld brauche und keins holen muss. Besonders bei den Klein- und Kleinstbeträgen bin ich da sehr froh…
Bin aber auch der Meinung, dass mans den Nutzenden ermöglichen muss, mit Bargeld zu bezahlen, solange das noch nachgefragt ist. Und zeitgleich sollte man Alternativen dazu anbieten.

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Unsere vier Stadtteilbibliotheken sind seit gut 1,5 Jahren bargeldlos unterwegs. In der Zentralbibliothek gibt es einen Kassenautomaten, der im Regelfall Karten und Bargeld annehmen soll.

Auf die Frage, wie denn die Kinder und Jugendlichen in den Stadtteilen zahlen sollen, wurde unsere Satzung dementsprechend angepasst, das Kinder und Jugendliche weder eine Jahresgebühr noch Mahngebühren zahlen. Ab der ersten Mahnung wird das Konto gesperrt - das hielten wir pädagogisch für die interessantere Variante. Die „letzte“ Mahnung kommt dann jedoch über die Stadtkasse an die Erziehungsberechtigten.

Bislang gab es nur sehr wenig Einspruch bezüglich der Bargeldlosigkeit. Alle Bürgerämter der Stadt sind bereits nur noch mit Kartenzahlung ausgestattet - bei uns pocht der für die Kassen zuständige Bereich zumindest noch auf einen Zahlungsort mit Bargeld. Es ist mir jedoch nicht bekannt, das jemand den Weg aus den Stadtteilen gemacht hat um hier sein Bargeld abzugeben.

Bargeld ist in Sachen der Verwaltungsrichtlinien recht aufwändig, daher ist hier weniger Bargeld in der Verarbeitung eine Erleichterung.

Damit hinterlasse ich kein gesellschaftliches Statement Pro und Contra, sondern lediglich die Sicht der Dinge auf Leitungsebene.

P.S.: Neulich scheiterte ich in einer schwedischen Bibliothek daran, das ich einen dringend benötigten Ausdruck nur noch per Swish bezahlen konnte. Man erließ mir dann den Betrag. :slight_smile:In Schweden läuft gerade eine Diskussion, das man mindestens umgerechnet gut 90 Euro im Haus haben sollte, damit im Falle eines technischen Ausfalls oder Notzeiten zumindest Medikamente und Lebensmittel bezahlt werden können. Diese Betriebe werden gerade verpflichtet auch zukünftig Bargeld anzunehmen.

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Danke, das ist sehr interessant! Komplett bargeldlos können wir sowieso nicht werden, es sei denn, wir rüsten den Kaffeeautomaten und das Kopiergerät um, da diese bisher keine Kartenfunktion haben.

Ausweise für Minderjährige sind bei uns ebenfalls kostenlos, aber den Aspekt der Mahngebühren würde ich so weiterleiten.

(Auf persönlicher Ebene stört mich einfach, dass wir wg. „Kund*innenfreundlichkeit“ manchmal Purzelbäume machen müssen, auch bei sehr aufwendigen Sachen in der Fernleihe, aber bei Zahlungsmöglichkeiten diese Freundlichkeit egal ist - aber das ist ein Problem speziell auf meinen Betrieb bezogen.)

Aus meiner Sicht ist das auch eine grundsätzliche Frage. Wenn sich eine öffentliche Bibliothek Barrierefreiheit und Chancengleichheit auf die Fahnen schreibt und allen Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu ihren Angeboten ermöglichen will, sollte sie Barzahlung anbieten. Auch wenn diese Kassenthemen aufwändig sind…

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Hallo an alle aus Ibbenbüren,

wir haben seit Corona keine Bargeldkasse mehr und sind in der gesamten Stadtverwaltung auf Bargeldlos umgestiegen. In der Stadtkasse kann noch bar gezahlt werden.
Wir haben EC-Kartenzahlung und e-Payment eingerichtet. Dazu haben wir auf unserer Homepage einen Hinweis zur Überweisung gesetzt und versteilen sonst die Bankverbindung mit dem Hinweis auf die Überweisungsangaben im Format Visitenkarte.
Außerdem haben wir Hinweise aufgestellt „Wir sind Bargeldlos“.
Heute ist das kein Probleme mehr, am Anfang gab es ein paar Rückmeldungen. Allerdings haben wir seit 2020 keine Gebühr mehr für Kinder, d. h. es fallen dann nur noch Verspätungs- und Mahngebühren an. Und die Sperrung des Kinderkontos erfolgt bei Gebührenrückständen von 7, 50 EUR.

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Vielen Dank für Ihre Einschätzung! Wir haben tatsächlich nicht die Möglichkeit der Überweisung, daher würde mich total interessieren, wie reibungslos diese Umstellung war und ob diese Möglichkeit gut genutzt wird?

(Ich finde es total kundenfreundlich, gerade gegenüber von den Personen, die nur die online-Angebote nutzen und/oder schlecht mobil sind.)

Hallo,
die Entscheidung ist in der Verwaltungsspitze für die gesamte Stadtverwaltung getroffen worden. Wir haben deshalb über unser Bibliotheksprogramm (WinBiap von datronic) gleich e-Payment eingeführt. Durch eine Schnittstelle zur Stadtkasse ist das kein Problem gewesen. Und die Bezahlung aus dem Leserkonto ist kein Problem, der größte Anteil (für die gesamte Stadtverwaltung) nutzt paypal. Das hat uns überrascht. Durch ein neues EC Gerät kann mit EC-, Kreditkarte oder Wallet bezahlt werden. Jugendliche auch mit ihrem Paypal Account. Am Anfang gab es schon die eine oder andere Beschwerde. Grundsätzlich kann ja noch in der Stadtkasse mit Bargeld bezahlt werden. Unsere Argumente waren:

  • Bargeld einzahlen ist so teuer geworden und wir wollen ja die Jahresgebühren nicht erhöhen.
  • die Sicherheit der Kolleginnen und Kollegen ist uns wichtig
  • Einbruch- und Diebstahlschutz mit Beschädigung der Tür, Möbel etc.
  • Kartenzahlungen oder Bezahlung mit dem Handy gehört zu einer modernen Bibliothek.
    Und heute wird darüber nicht mehr diskutiert.
    Viele Grüße aus Ibbenbüren
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Wir bieten auch die Möglichkeit der Überweisung an, propagieren dies aber nicht wirklich, weil es für uns die aufwendigste Zahlungsmethode ist.

Die Leute überweisen auf ein Stadtkonto. Wenn das notwendige Kassenzeichen nicht mit angegeben wird, muss das Geld erst einmal gefunden werden. Außerdem entsteht die Erwartungshaltung, dass kurz nach der getätigten Überweisung auch der Nachweis im Bibliothekskonto erfolgt ist. Die Stadtkasse benötigt aber oft 3 Tage, bis die Zahlung gebucht ist und wir müssen sie aus dem kommunalen Zahungssystem raussuchen und händisch ins Bibliothekskonto buchen.

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Hallo,

Schweden wurde ja schon genannt. Dort geht die Diskussion wieder nach den Erfahrungen zurück. Zum einen der Katastrophenschutz zum anderen aber und aus meiner Sicht weit wichtiger, Inklusion. Wir haben bei uns in der Bibliothek eine Gruppe Blinder und Sehbehinderter. Viele davon werden im Laufe des Alterns blind. Bezahlen können sie meist nur bar, da sie die Scheine und Münzen anhand von Schablonen erkennen. Die Terminals sind nicht barrierefrei. Auch viele Menschen mit Behinderungen können schlecht digital bezahlen. Daher geht Schweden, wie auch in der Bildungspolitik, wieder zurück. Vielleicht hilft dieser Artikel in der Tageschau. Ich persönlich wünsche mir natürlich auch, dass Bargeld erhalten bleibt.

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Hallo biblioreader,

wie werden dann die Gebühren von den Kindern und Jugendlichen von den Eltern bezahlt? Ist das Konto für diese freigeschaltet?

Wir haben tatsächlich auch noch Bahrgeldzahlung.

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren können nur so bezahlen. Auch die Eltern können nicht über deren Konto mit Karte oder PayPal zahlen.

Alle Erwachsenen können bei uns mit Karte oder PayPal zahlen.

Wobei wir noch sehr viel Nutzer haben die gern bar bezahlen. Vor allen Dingen auch ältere Leute, die der Elektronik nicht wirklich trauen.

Hallo,

das ist tatsächlich auch ein wichtiges Argument - bei uns geht die Kartenzahlung nur an besagtem Selbstverbucher. Mit Touchscreen. Ist jetzt nicht für alle gut zu bedienen…

Und danke für den Artikel, das werde ich in die Diskussion mit einbeziehen. Erfahrungen auch aus anderen Ländern können hier sehr hilfreich sein.

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Wir haben bei uns in Heilbronn alle möglichen Zahlungsarten: Bar (aber nur am Kassenautomaten, die Barhandkassen werden nur im äußersten Notfall rausgeholt), Alle möglichen elektronischen Zahlungarten und Online über Kreditkarte oder PayPal. Wir haben auch einen Kaffeeautomaten an dem man nur bargeldlos bezahlen kann.

Seit unserer Neueröffnung vor 2 Jahren stelle ich fest, dass der Großteil der Zahlungen tatsächlich bargeldlos abläuft. Was gleichzeitig dazu führt, dass es völlig ausreicht den Automaten 4 bis 5 Mal im Jahr zu leeren. Zumal wir das Bargeld auch selbst zur Bank bringen müssen.

Und obwohl ich selbst privat beinah bargeldlos lebe und der Kassenautomat eher eine Hassbeziehung ist, würde ich nicht komplett aufs Bargeld verzichten. Gründe wurden hier schon genannt, am meisten wiegt für mich die Chancengleichheit und ein niedrigschwelliger Zugang.

Und eins sollte man auch nicht vergessen: elektronische Bezahlfunktionen können auch mal ausfallen. Da gebe ich den Schweden völlig recht.

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Bei uns geht der Kaffeeautomat und das Kopiergerät nur mit bargeld, da sind wir auch regelmäßig am ausleeren und persönlich zur Bank bringen. So ganz bargeldlos wird man da sowieso nicht werden…

Und gerade die Tücken der Technik, wie erwähnt, sind hier sehr wichtig. Zumindest unsere Selbstverbucher neigen auch mal zur… wie soll ich sagen… Sturrheit in der Nutzung.

Ich finde es nicht nur für Kinder, sondern auch für z.B Rentner*innen schwierig, die sich bei der Kartenzahlung einfach unsicher fühlen. An sich ist Digitalisierung immer gut und gewünscht, man darf dabei aber die Leute, die damit nicht klarkommen, nicht völlig fallen lassen. Aber es ist ja immer so: die einen Beschweren sich, dass sie nicht per PayPal zahlen können, die anderen gucken mich nach dem Blick auf den Kassenautomaten ängstlich an, und fragen ob Barzahlung überhaupt möglich ist.

Wir müssen eben immer im Blick behalten, dass Senior*innen einen recht großen Teil unserer Nutzer*innen ausmachen.

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