Hallo zusammen. Vielen Dank für diesen Thread und die Einblicke in einerseits offene Fragen aus der Praxis und andererseits möglichen Lösungsansätze. Es ist absolut nachvollziehbar, dass im schulbibliothekarischen Alltag Orientierung und klare Hilfestellung gebraucht wird, gerade bei Genres wie New Adult und Dark Romance. Dennoch möchte ich, ganz wertfrei und kollegial, Kritik an der Listen-Idee üben.
Eine Liste, in der Titel, Autor*innen oder Verlage in „geeignet“ und „nicht geeignet“ für Schulbibliotheken eingeteilt werden und die potenziell auch weitergegeben wird, ist ein sehr starkes und wirkmächtiges Instrument, das genau reflektiert werden muss. Ich verstehe absolut die Attraktivität einer solchen Liste als einfache Lösung für ein komplexes Problem, dennoch müssen wir hier innehalten.
Welche Bücher werden überhaupt geprüft und können so potentiell auf der Liste landen? Nach welchen Kriterien wird ein Buch, ein*e Autor*in oder ein Verlag aufgenommen? Welche Datenbasis liegt der Entscheidung zugrunde (vollständige Lektüre, Zusammenfassungen, Rezensionen, Triggerwarnungen, freiwillige Altersangaben, Inhalte einzelner Szenen, allgemeine Bekanntheit, mediale Debatten, etc.)? Wer überprüft die Bücher und pflegt die Liste? Wie kann eine erneute Prüfung eines Buches, einer*s Autor*in oder eines Verlags veranlasst werden? Ohne Transparenz darüber halte ich persönlich Listen dieser Art für schwierig bis fragwürdig.
Viel grundsätzlicher lässt sich natürlich auch fragen, ob eine Liste dieser Art hier überhaupt ein valides Instrument sein kann und darf.
Absolut ohne jedwede ähnliche Intention zu unterstellen, entfaltet die Listen-Idee im Kontext historischer und globaler Kontexte grundsätzlich einen sehr unangenehmen Beigeschmack.
Ich schreibe das nicht, um irgendjemandes Engagement zu kritisieren, im Gegenteil. Ich finde es wichtig, dass wir uns intensiv mit diesen Genres auseinandersetzen. Gerade deshalb sollten wir sehr bewusst reflektieren, was es bedeutet, wenn wir beginnen, derartige Listen zu erstellen oder zu verbreiten. Orientierung ja, aber mit großer Sorgfalt und Transparenz, damit wir nicht unbeabsichtigt Muster reproduzieren, die wir als Community eigentlich kritisch sehen oder gar ablehnen.