ZB MED startet Fundraising für Forschungssouveränität

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie bereits zuvor berichtet, entwickelt ZB MED mit OLSPub eine offene, gemeinwohlorientierte Literaturdatenbank für die Lebenswissenschaften als Komplementär-Infrastruktur für die US-finanzierte Datenbank PubMed. Ohne eine Absicherung von PubMed als der meistgenutzten Datenbank für die Medizin und Lebenswissenschaften könnten wir von heute auf morgen einen Stillstand besonders der med. Forschung weltweit riskieren.

Da für das Projekt derzeit keine öffentliche Förderung vorgesehen ist, starten wir ab heute eine Fundraising-Kampagne: https://www.zbmed.de/forschen/laufende-projekte/olspub/olspub-fundraising

Um OLSPub als Prototypen weiterzuentwickeln und die langfristige Sicherung sowie kontinuierliche Weiterentwicklung dauerhaft gewährleisten zu können, benötigen wir Unterstützung insbesondere für:

  • den Aufbau und Betrieb der technischen Infrastruktur
  • Qualitätssicherung und redaktionelle Betreuung
  • den Aufbau einer langfristigen, möglichst europäischen Finanzierungsstruktur

Diese Bausteine sind aus unserer Sicht zentral, um OLSPub dauerhaft als verlässliche und unabhängige Wissensinfrastruktur zu etablieren. Für die vollständige Umsetzung des Projekts werden insgesamt zwei Millionen Euro benötigt – aufgeteilt in drei aufeinander aufbauende Phasen. Unterstützt werden kann OLSPub durch Direktspenden oder verbindliche Spendenzusagen. Das langfristige Ziel der Initiative ist es, zusammen mit unserer Fachcommunitys auf europäischer Ebene eine unabhängige Governance für die Initiative zu schaffen.

Weitere Informationen zur Fundraising-Kampagne wie z. B. Flyer oder auch Policy Briefings zur Information von Personen auf Managementeben, sowie kurze FAQ zur Weiterleitung, finden Sie auf Deutsch und auf Englisch auf der oben genannten Webseite.

Wir freuen uns, wenn auch Sie OLSPub unterstützen, mit einer Spende oder indem Sie die Kampagne teilen mit Ihren Kolleginnen und Kollegen, Ihrer Familie und im Freundeskreis – mit allen, für die medizinische Forschung (über-)lebenswichtig ist.

Für Rückfragen oder eine fachliche Einordnung stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Miriam Albers

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Dr. Miriam Albers

Komm. Leitung Bibliothek

ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften

Gleueler Str. 60, 50931 Köln
Tel: 0221/999892-311
Mail: albers@zbmed.de
INFORMATION. WISSEN. LEBEN

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Habe soeben gespendet. Kein großer Betrag, denn mir erschließt sich bis heute nicht, wieso die DFG auch nach mehreren Anläufen ein solch wichtiges Projekt nicht fördern wollte. Ich habe bei meiner Spende als Zahlungsart SEPA genutzt (schade, dass noch kein Wero angeboten wird), denn ich will hier auch das digitalsouveräne Zeichen setzen, dass ich gerade bei einer solchen Spende keine US-Zahlungsdienstleister wie PayPal oder VISA, MasterCard, American Express nutzen will.

Vielleicht noch zum Hintergrund, warum das OLSPub-Projekt so unterstützenswert ist:
Die Lebens­wissen­schaften retten Leben. Medizinische Forschung benötigt verlässliche Informationen und wissenschaftlichen Austausch. Dieser findet maßgeblich über Publikationen statt, die idealerweise offen, frei zugänglich und nachnutzbar sein sollten. Dafür unverzichtbar ist in der Medizin die Fachdatenbank PubMed.

Anfang Januar 2025 haben wir mit dem Amtsantritt der Trump-Regierung II unter anderem eine bisher nie dagewesene ideologisch motivierte Datensäuberung aller durch die US-Regierung finanzierten Behörden und Organisationen erlebt, die zuerst die Gesundheits-, Sozialwissenschaften und die Klimaforschung betraf und dann auch Auswirkungen auf die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft nach sich zog. Dabei kam es Anfang März 2025 zu kurzzeitigen Ausfällen von PubMed, denn die Datenbank ist auch anhängig an eine US-Behörde. Diese Welle an Datensäuberungen, von manchen auch als „Digitale Bücherverbrennungen“ bezeichnet, hat nun auch der Scientific Community vor Augen geführt, wie fragil die weltweite Forschungsdateninfrastruktur eigentlich ist, wenn politische Akteure auf sie einwirken wollen.

Für die technische Infrastruktur von OLSPub würde ich mir wünschen, dass die ZB MED damit nicht einen zweiten Single Point of Failure aufbaut und auch Erfahrungen von Projekten aufgreift, die dezentrale Technologien verwenden, um Daten verteilt auf voneinander unabhängigen Peers zu sichern, wie es etwa SciOp im Rahmen von Safeguarding Research & Culture gelungen ist.

Genauso wäre es mE wichtig, in Bezug auf das Thema KI auch zu berücksichtigen, wie sehr das aggressive Crawling durch KI-Firmen gerade auch der Informationsinfrastruktur im gesamten GLAM-Bereich zusetzt. Diese Entwicklung lässt sich nämlich ebenso zurückführen auf politisch fragwürdige und mit der Trump-Regierung verbandelte US-Firmen, aber auch Tech-Konzerne in anderen Ländern, die Profit über alles stellen, auch über Wissenschaftsfreiheit, Urheberrecht und die Grenzen unserer planetaren Ressourcen.

Ich drücke euch jedenfalls die Daumen, dass ihr das Geld zusammen bekommt.

Mir ist bewusst, dass ich mit diesem öffentlichen Post meine Einreisemöglichkeit in die USA unter Trump verwirkt habe.

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Hallo und ganz herzlichen Dank für die Unterstützung!

Das mit der DFG ist ein spannendes Thema. Ich verweise dafür gerne auf den Artikel, der Ende Januar in Heise Online erschienen ist und das Dilemma ganz gut zusammenfasst aus meiner Sicht: https://www.heise.de/news/Die-PubMed-Falle-Deutschlands-gefaehrlicher-Datenpoker-in-der-Medizin-11155637.html

Wero hätten wir sehr gerne eingebunden und haben mehrere Anläufe gestartet. Technisch wäre es für uns leicht möglich. Aber wir sind bei Wero immer wieder vor eine Wand gelaufen, da diese dort nach eigener Aussage “keine Spenden abwickeln” können. Aber wir bleiben dran.

Wir wollen in keinem Fall einen zweiten Single Point of Failure. Das teilen wir! Wir wollen den Anfang starten mit diesem Projekt und dann die transparent dokumentierte Open-Source-Infrastruktur an verschiedenen Akteure abgeben und als europäisches Produkt installieren. Der Aufbau dieser Community und verteilten Struktur ist Teil des Projektplans.

Und Reisen in die USA habe ich mir schon lange abgeschminkt. Aber Deutschland ist auch sehr schön :slight_smile:
Beste Grüße
Miriam

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Vielen Dank für die Informationen. Ich hatte das tatsächlich gar nicht auf dem Schirm und finde es eine total wichtige Sache, aus den von Ihnen genannten Gründen! Ich habe es fleißig in meiner Bubble geteilt, in denen sich auch einige Mediziner:innen und Pflegewissenschaftler:innen tummeln, die ebenfalls sehr angetan von dem Projekt sind und es wiederum in ihren Bubbles teilen werden. Eine Frage die sich mir hier spontan auftut: Gibt es auch Institutionen die sich beim Fundraising beteiligen? Es sind ziemlich hohe Summen und auch wenn ich es mir wünschen würde, dass jede:r was kleines dazu gibt, kann ich mir nicht vorstellen, dass das Ziel ohne institutionelle Hilfe erreicht werden kann.

Und noch eine Idee: Wäre es möglich den aktuellen Spendenstand auf der Seite darzustellen/anzugeben? Aus Gründen der Transparenz als auch Motivation, halte ich das für eine sinnvolle Ergänzung :slight_smile:

Danke für das Teilen! Das ist soo hilfreich! Und Du hast natürlich Recht, die Summe können wir nur stemmen, wenn sich Institutionen/Firmen/(Regierungen?) beteiligen. Wir sind da auch dran, aber wir sind einfach ein sehr kleines Team und es ist nicht so leicht an die richtigen Leute ranzukommen. Wir stehen z. b. in Kontakt mit den Dachverbänden der großen Pharmafirmen. Die finden das Thema auch wichtig. Aber auf der Managementebene wird das Problem bzw. Risiko noch nicht verstanden. Unser Problem ist, dass selbst in informierten Kreisen nicht klar ist, dass die Abstracts von Elsevier (z.B. aber auch insbesondere) nur über PubMed verfügbar sind. Wenn PubMed dies nicht mehr leistet, dann fehlen diese Abstracts in allen Datenbanken. Und diese veränderten Datenlage wird die Suche etc von allen Suchportalen und v.a. KI beeinflussen und und und…
Also, wenn noch jemand jemanden kennt, der in einer Stiftung/Firma sitzt oder einfach so viel Geld hat, dann gerne einen Kontakt vermitteln. Wir bleiben auf jeden Fall dran.

Die Anzeige wollen wir auf jeden Fall machen. Ist mit Boardmitteln leider nicht so trivial, weil wir die Spendendaten auf einem sicheren internen Server haben und die Webseite natürlich auf einem anderen. Aber wir suchen nach einer Lösung. Aktueller Stand ca. 10.000. Der Anfang ist gemacht.