ich stehe vor einem Problem: im nächsten Jahr soll die Stadtbibliothek Marl in neue Räumlichkeiten umziehen. Leider verringert sich unsere Ausleihfläche dadurch erheblich, sodass ich gezungen bin, unseren Bestand deutlich zu verkleinern: von 50.000 Medien auf ca. 25.000 bis 30.000 im Erwachsenen- & Jugendbereich. Ich bin schon sehr wirklich sehr großzügig was das makulieren abgeht, aber ich muss noch mindestens 10.000 Medien löschen. Jetzt habe ich mir die Frage gestellt, ob ich unseren doch recht großen „Heimatkundebestand“ löschen und sie unserem Stadtarchiv zur Verfügung stellen kann. Der Bestand ist recht alt und ich kann die Ausleihen an einer Hand abzählen.
Ich bin ein bischen hin- und hergerissen, ob wir als Mittelstandbibliothek einen solchen Bestand vorhalten müssen oder interresierte Nutzer*innen an das Stadtarchiv verweisen können, damit sie den Bestand dort einsehen können.
Und ja, die Kollegen aus dem Stadtarchiv habe ich natürlich schon gefragt und für sie wäre das kein Problem.
Das ist in der Tat schwierig bei diesem Thema, denn ein Archiv nimmt in der Regel Gebühren, auch für das Bereitstellen und „nur reinschauen“ in Medien. Hast Du die Kapazität die wichtigsten Dinge zu behalten? Wir haben ein Mini-Magazin (ein Regal im Lagerraum) wo die wichtigsten Medien zur Stadt vorhanden sind, dieses wird auch rege genutzt und auf Nachfrage rausgesucht. Da unser Archiv vor ein paar Jahren in eine andere Stadt des Kreises umgezogen ist und wir die Nachfrage zu Regionaler Geschichte nicht aufgeben wollten. Viel Erfolg
Ich habe in den letzen beiden Wochen ein ähliches Thema gehabt und einiges im Bereich Heimatkunde aussortiert. Medien mit schlechtem Zustand wurden entsorgt, ein paar ganz wenige bleiben in der Bibliothek und vieles ist im Stadtarchiv gelandet. Wir haben da allerdings auch intern die Regelung, dass Medien aus dem Archiv häufig bei uns in der Stadtbibliothek eingesehen werden können, da das Archiv in der Form keine eigenen Öffnungszeiten hat…
Vielleicht wäre eine solche Regelung auch in Marl eine Möglichkeit?
Ich stand vor einem halben Jahr vor der gleichen Herausforderung, als ich das Lektorat neu übernommen habe. Ich habe mich dazu entschieden, den Bestand deutlich zu reduzieren. Damit die Bestände nicht „verloren“ gehen, habe ich sie verschiedenen Kultureinrichtungen angeboten (das ist mittlerweile in Arbeit). Wenn ihr Stadtarchiv die Bestände übernehmen sollte, dann würde ich diesen Weg gehen. Letztendlich haben wir als Stadtbibliothek keinen Sammel- oder Archivauftrag und unsere Bestände sollten genutzt werden.
Ich finde diese "Bibliothek ist wenn man Bücher wegschmeißt um Luft und Sonne reinzulassen "-Mentalität die seit einigen Jahren um sich greift unerträglich, und weiß aus eigener bitterer Erfahrung, daß da Lücken gerissen werden die nicht wieder zu schließen sind, und daß eine Bibliothek zu einem Ort der Beliebigkeit wird wenn man nicht sehr, sehr aufpasst. Auf der anderen Seite: wenn es (aus welchen Gründen auch immer und von wem auch immer) so gewünscht ist, wird man i.d.R. wenig machen können, daher ist es wohl eine gute Idee, die Medien dem Stadtarchiv zu geben. Bitter ist es trotzdem, denn wo sollte man sich über die Geschichte seiner Stadt und seiner Region zuallererst informieren können, wenn nicht in der örtlichen Bibliothek? Bibliothek kann mehr, als Medien nach reinen Ausleihzahlen beurteilen. Eine Bibliothek sollte (auch) ein Schatzkästchen sein in dem man Dinge entdeckt, mit denen man nie gerechnet hätte. Aber sei’s drum, mit diesem Problem schlagen sich wohl viele von uns rum, da ist das Stadtarchiv immer noch besser als die Tonne. Wir hatten als ich vor vielen Jahrzehnten in den Beruf gegangen bin, alte gebundene Ausgaben der „Gartenlaube“ im Bestand. Ich möchte mir nicht mal im Traum vorstellen, was daraus geworden ist…
Unser Stadtarchiv befindet sich mit uns in einem Gebäude, deshalb stehen jetzt alle Heimatkunde-Bücher dort. Allerdings nimmt unser Stadtarchiv keine Gebühren für das Ausleihen von Medien. Aber auch wenn das Archiv in einem anderen Gebäude wäre, würden wir das so handhaben. Das schafft einiges an Platz und der Vorteil fürs Stadtarchiv ist, dass Menschen sich dorthin verirren, die nie gedacht hätten, dass man Familienforschung & Co dort betreiben kann - Win Win!
Hallo Frau Richter, die Lösung mit dem Stadtarchiv wäre doch gut.
Ich würde dann allerdings den heimatkundlichen Bestand weiterhin in Ihrem Katalog belassen und für die Medien einen Sonder-Standort wie z.B. „Heimatkunde Archiv“ in Ihrer Bibliothekssoftware für die Medien vergeben.
Damit können heimatkundlich Interessierte die Medien weiterhin in Ihrem Katalog finden und dann eben im Archiv oder in Ihrer Bibliothek nutzen.
wenn sich die Ausleihfläche ihrer Bibliothek so deutlich reduziert, dann erscheint es mir sehr vernünftig, auf ein Angebot zu verzichten, dass es auch an einer anderen Stelle der Stadt gibt. Sie könnten ihren Heimatkunde-Bestand auf Medien reduzieren, die gerne ausgeliehen und zu Hause genutzt werden. Das sind bei uns z.b. regionale Reiseführer, einige grundlegende Werke zu lokalen Geschichte und neu erschienene Bücher zu lokalhistorischen Themen, die z.b. auch in der lokalen Presse vorgestellt werden. Und alle, die sich vertieft mit der lokalen Geschichte beschäftigen möchten, verweisen Sie dann auf das Stadtarchiv. Ich habe - ebenfalls aus Platzgründen - allerdings über mehrere Jahre hinweg, auf diese Art unseren Heimatkunde-Bestand auch erheblich reduzieren können.
Auch in Bad Neuenahr stehen wir vor dem identischen Problem: Umzug in Neubau mit weniger Regalfläche. Unser Plan sieht eine Reduzierung von rd. 37.000 auf unter 20.000 ME vor. Die Heimatkunde habe ich dem Stadtarchiv angeboten. Deren Leiterin hat 1 Karton gefüllt und den großen Rest abgelehnt, gleichfalls wegen Platzproblem. Ich hoffe, dass ich einen Teil der Heimatkunde als „stille Reserve“ im Keller des Neubaus bunkern kann und im öffentlichen Bereich nur einen Aufsteller platziere, der auf diesen versteckten Bestand hinweist.