Ja, sieht für mich schlüssig aus!
Für die praktische Umsetzung ist noch wichtig, dass nicht alle Beziehungen, die im Modell vorhanden sind, bei der Katalogisierung tatsächlich auch irgendwie ausgedrückt werden müssen.
Bei einer Aufsatzsammlung macht man in der Regel mit den logischen Teilen gar nichts (allenfalls Scan des Inhaltsverzeichnisses). Wenn man z.B. einen Band mit drei Romanen hat, ist es schon eher üblich, die Teil-Ganzes-Beziehung abzubilden. Oft wird das nur auf der Manifestationsebene gemacht. Wenn es sich um eine Übersetzung handelt, kann es sinnvoll sein, zusätzlich die Teil-Ganzes-Beziehung auf der Werkebene abzubilden (damit man auch die Originaltitel recherchieren kann). Teil-Ganzes-Beziehungen auf der Expressionsebene werden in der Regel nicht explizit abgebildet.
Alternativ zu dem komplexen Diagramm kann man sich auch ein simpleres Diagramm vorstellen, dass nur mit dem Beziehungselement „In einer Manifestation verkörpertes Werk“ arbeitet. Das ist ja eine „Short-Cut-Beziehung“, die die Expressionsebene ganz überspringt. Hier kommt man dann auf die etwas eigenartig wirkende Situation, das in der Manifestation sowohl das Zusammenstellungswerk als auch die Einzelwerke verkörpert sind. Darauf bezieht sich die von Ihnen in einem früheren Post zitierte Stelle:
Das Werk der Zusammenstellung gilt in diesen Fällen als das hauptsächliche Werk gegenüber den darin enthaltenen Werken. In der zusammengesetzten Beschreibung wird die Zusammenstellung selbst als das in der Manifestation verkörperte Werk angegeben
Und noch ein letzter Hinweis zu diesem wirklich komplizierten Thema (bei dem auch mir immer wieder der Kopf raucht):
Wenn wir eine mehrteilige Monografie vorliegen haben, muss man auch schauen, ob die Teile abhängige oder unabhängige Titel haben. Wir haben pragmatisch festgelegt, dass bei einem Teil mit abhängigem Titel gar kein Werk beschrieben wird (z.B. der zweite Band eines Lexikons mit dem Titel „H bis O“). Entsprechend kann es in einem solchen Fall keine Teil-Ganzes-Beziehung auf der Werk-Ebene geben. Anders ist es bei Teilen mit unabhängigen Titeln. So ist im 1. Band einer dreibändigen Herr-der-Ringe-Ausgabe das Werk „Tolkien, J.R.R., 1892-1973. The fellowship of the ring“ verkörpert und dieses ist ein Teil des Gesamtwerks „Tolkien, J.R.R., 1892-1973. The lord of the rings“.
Viele Grüße
Heidrun Wiesenmüller
P.S.: Kleiner Werbeblock in eigener Sache: Die 3. Auflage von „Basiswissen RDA“ erscheint voraussichtlich am 19. Oktober. Als kleinen Preview haben wir das Vorwort zur Neuauflage vorab veröffentlicht: Bald ist es soweit: Die 3. Auflage erscheint! - Basiswissen RDA