Librarian: Tidy Up the Arcane Library – eine Idee für Gaming und Medienbildung?

Ich bin gerade über ein Spiel gestolpert, bei dem ich sofort an Bibliotheken und Medienbildung denken musste: Librarian: Tidy Up the Arcane Library.

Das Prinzip ist eigentlich herrlich simpel: In einer magischen Bibliothek herrscht Chaos und insgesamt 3.072 Bücher müssen wieder richtig einsortiert werden. Dazu schaut man sich Titel und Cover an und versucht herauszufinden, in welchen Bereich ein Buch gehören könnte.

Natürlich musste ich bei der Beschreibung erst einmal etwas schmunzeln. Aber eigentlich steckt darin eine ganz interessante Idee für die pädagogische Arbeit in Bibliotheken.

Man könnte das Spiel beispielsweise gemeinsam mit Jugendlichen spielen und anschließend den Blick auf die reale Bibliothek richten: Wie sind unsere Bestände eigentlich geordnet? Warum stehen bestimmte Bücher zusammen? Wer legt diese Kategorien fest? Und wie findet man etwas, wenn man noch gar nicht genau weiß, wonach man sucht?

Spannend fände ich vor allem, danach die Perspektive umzudrehen: Wie würden Jugendliche selbst eine Bibliothek ordnen?

Vielleicht nach Themen, Farben, Stimmungen, Zielgruppen oder nach Kriterien, auf die wir als Bibliotheksmenschen überhaupt nicht kommen würden. Man könnte einen kleinen Bestand nehmen und unterschiedliche Ordnungssysteme entwickeln und anschließend ausprobieren, mit welchem System andere Personen bestimmte Medien am schnellsten wiederfinden.

Damit wäre man ziemlich schnell bei Informationskompetenz, Suchstrategien und der Frage, wie Wissen strukturiert wird, ohne daraus gleich einen klassischen Workshop zur „Informationskompetenz“ machen zu müssen.

Für mich ist das auch ein schönes Beispiel dafür, dass wir beim Thema Gaming in Bibliotheken nicht immer nach ausgewiesenen Lernspielen suchen müssen. Ein kommerzielles Spiel kann genauso Ausgangspunkt für Medienbildung sein, wenn wir eine passende Methode darum entwickeln.

Vielleicht könnte man daraus sogar ein kleines fertiges Workshopkonzept entwickeln.

Mich würde interessieren: Was fällt euch zu dem Spiel ein? Würdet ihr so etwas in eurer Bibliothek einsetzen? Oder kennt ihr andere Games, bei denen ihr irgendwann dachtet: Eigentlich ist das gar kein Lernspiel, aber daraus könnte man ein richtig gutes Bildungsangebot machen?

Zum Spiel:

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Ist das schon auf einer anderen Platform als Steam raus? So viele Bibs mit Gaming PCs und Steam sind mir nicht bekannt Wüsste sonst gar nicht wie ich / man das überhaupt in Bibliotheken einsetzen kann.

Moin.

Wir machen bei unserer Klassenführung für die 3te Klassenstufe seit Jahren ähnliches. Thema ist: wie wähle ich ein Buch aus. Buchcover müssen dabei dem richtigen Interessenkreis sowie dem passenden ersten Satz des Buches zugeordnet werden. Ziel ist es, den Kindern nicht nur das Auffinden von gesuchten Büchern am Regal zu erklären. Auch Bücher mit unscheinbarem Cover beinhalten oft tolle Geschichten.

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Leider noch nicht. Es gibt aber gerade ein Voting bei GOG. Wir haben einen Steam-Account, aber ich weiß den hat nicht jeder.

Auf Deutsch wäre es natürlich noch schöner. Aber es ist zumindest eine Möglichkeit spielerisch ranzugehen.

Ich hatte das Spiel ja schon auf meiner Wunschliste und dachte dann „na, nun wollen wir es mal nicht übertreiben mit der Arbeit“. Hab es dann wieder gelöscht.

Wie stellst Du dir das von der Anzahl der Jugendlichen vor? Es kommt ja meist ein Klassenverband. Wenn dann nur einer zocken kann, ist das ja ein bisschen langweilig.

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Für einen ganzen Klassenverband würde ich es aber auch nicht so machen, dass eine Person spielt und 25 andere zuschauen. Das wäre vermutlich ziemlich schnell langweilig.

Ich würde eher mit mehreren Rechnern und kleinen Gruppen arbeiten. Das Spiel lässt sich grundsätzlich auch offline nutzen. Sollte es irgendwann bei GOG landen, wäre die Steam-Bindung sowieso kein Thema mehr. Dann wäre es möglicherweise auch bei der Lizenzierung für mehrere Rechner einfacher, je nachdem, wie das Spiel dort angeboten wird. Aber auch mit der Steam-Version kann man eine Offline-Lösung grundsätzlich umsetzen.

Dann könnten beispielsweise immer drei oder vier Jugendliche an einem Rechner gemeinsam überlegen, wo die Bücher hingehören. Das fände ich sogar spannender, weil man anschließend vergleichen könnte: Wie sind die Gruppen vorgegangen? Welche Strategien haben sie entwickelt? Wo gab es unterschiedliche Einschätzungen?

Alternativ könnte man das auch als Stationenarbeit aufziehen. Eine Gruppe spielt, eine andere sortiert einen kleinen echten Medienbestand, eine entwickelt ein eigenes Ordnungssystem und eine andere bekommt vielleicht eine Suchaufgabe in der Bibliothek. Nach einer gewissen Zeit wird gewechselt.

Oder man nutzt das Spiel wirklich nur als Einstieg und stellt danach die Frage: Wie würdet ihr eigentlich eine Bibliothek ordnen, wenn ihr komplett neu anfangen könntet?

Ich glaube, darin liegt für mich das eigentliche Potenzial. Nicht einfach eine Schulstunde lang das Spiel spielen, sondern das Spiel als Ausgangspunkt nehmen und daraus etwas Eigenes entwickeln.

Die Idee ist bei mir aber auch noch nicht fertig. Genau deshalb habe ich sie hier mal reingeworfen. Vielleicht entsteht gemeinsam noch ein ganz anderer Ansatz daraus.

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Das ganze schreit geradezu nach einem Moding-Projekt. Damit könnte man die Übersetzung angehen und die Bücher im Spiel auf die eigene Bücherei anpassen. Fehlende Programmierkenntnisse lassen sich vielleicht bis zu einem gewissen Grad mit KI ausgleichen. Vielleicht.

Der zeitliche Aufwand… Naja, es ist ein schöner Traum.