Das erste Heft des neu aufgestellten Bibliotheksdienstes ist erschienen: Bibliotheksdienst Band 60, Heft 1-2
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, schrieb Hermann Hesse in seinem berühmten Gedicht „Stufen“. Ganz in diesem Sinne steht auch der Bibliotheksdienst 2026 vor einem Neuanfang mit verändertem Profil, veränderter Erscheinungsweise und neuer Herausgeberschaft. In seiner Neuausrichtung steht er nun noch stärker als zuvor für den Blick in die und aus den „Maschinenräumen“ der Bibliotheken und anderer Gedächtniseinrichtungen: eine Zeitschrift von Praktiker*innen für Praktiker*innen, über alle Statusgruppen hinweg. Mit dieser Fokussierung soll zugleich das Selbstverständnis des Bibliotheksdienstes in der doppelten Bedeutung als Dienstleistung für alle in Bibliotheken und angrenzenden Institutionen tätigen Personen und gleichermaßen als Produkt dieser Community geschärft werden.
Die Zeitschrift behandelt daher sowohl Querschnittsthemen aus Bereichen wie Management & Personalführung (z. B. Personalentwicklung, Prozessgestaltung, Agilität/New Work), Nachhaltigkeit oder Benutzungsforschung, die für alle Gedächtnisinstitutionen von Belang sind, als auch spezifischer bibliothekarische Themenkomplexe wie Openness & Open Science, Bibliothek als physischer und sozialer Ort & Lernraum oder die Vermittlung von Informations- und Medienpraxis. Schließlich soll die Zeitschrift eine bibliotheksspezifische Perspektive auf aktuelle gesellschaftliche Debatten bieten (gegenwärtig etwa Demokratieförderung oder die Aufarbeitung der kolonialen Kontexte von Sammlungsgut).
Die Formate sollen den jeweiligen Themen und Inhalten sowie den Beitragenden entsprechen, weshalb der Bibliotheksdienst zukünftig mehrere Beitragsformate anbietet: Fachbeiträge dienen der Vertiefung eines Themas; Praxisbeiträge, Essays und Interviews erlauben eine formal freiere Auseinandersetzung und Darstellung; Tagungsberichte, Reviews und (Sammel-)Rezensionen geben kurze, prägnante Einblicke in laufende Fachdiskussionen und -kulturen.
Thematisch passend gibt es im ersten Heft, das als Doppelheft erscheint, einen Schwerpunkt zu (Neu-)Anfängen, Neubeginnen und Neustarts. Neuanfänge bezeichnen stets Übergangsphasen zwischen einem alten oder erledigten Zustand auf der einen und einem offenen Zukunftsraum auf der anderen Seite. Dessen Ausgestaltung, Strukturierung und Organisation stellt auch Bibliotheken und andere Gedächtniseinrichtungen oftmals vor große Herausforderungen, da Unsicherheiten, Unklarheiten und Risiken abgeschätzt, bemessen und verregelt werden müssen. In diesen Gestaltungsprozessen und den daraus resultierenden Erfahrungswerten liegt großer Nutzen, der über die jeweilige Einrichtung hinausgeht. Nicht nur hilft es zu wissen, dass Probleme, mit denen man sich befasst, bereits von Anderen bearbeitet worden sind, sondern deren Ansätze und Lösungen können in der Folge auch als Orientierung oder Vorbild dienen.
Die Beitragenden nehmen dabei ganz unterschiedliche Bereiche in den Blick: Catherine Bellaire (Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek) und Andreas Grossmann (Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Zürich) berichten jeweils über die Einführung neuer Veranstaltungsformate an ihren Einrichtungen, Patrick Novak und Abigail Kleedorfer über ein Modell zur Neustrukturierung des Freihandbereichs in der Steiermärkischen Landesbibliothek. Mandy Tanneberger und Julian Katz beleuchten in ihrem Beitrag zum Aufbau der Abteilung forschungsnaher Dienste an der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek Fulda (HLSB) die vielfältigen Herausforderungen, denen gerade Hochschulbibliotheken bei einer derartigen strategischen Neuausrichtung begegnen. Noch einen Schritt weiter geht der Praxisbericht von Paul Müller, Gregor Faltl, Sophie Preikschat und Christina Rammler, die am Beispiel der Technischen Universität Nürnberg (UTN) die organisatorischen, infrastrukturellen und strategischen Probleme und Lösungsansätze im Zusammenhang der ersten staatlichen Universitätsneugründung in Bayern seit 1978 schildern. Wie es innovativen Unternehmen gelingt, Veränderungsinitiativen und neue Ideen über einen strukturierten Prozess einzuführen und dadurch Ängste bzw. Unsicherheiten vor dem genuin Neuem in der Organisation zu reduzieren, zeigt der Beitrag von Boris Queckbörner am Beispiel des US-amerikanischen Unternehmens Zingerman’s. Abgeschlossen wird der Themenschwerpunkt von einem sehr persönlichen Essay von Klaudia Charlotte Lenz, die über einen beruflichen Neuanfang, die damit verbundenen Unsicherheiten, aber auch die Chancen und neuen Perspektiven berichtet.
Komplettiert wird das erste Doppelheft durch zwei weitere Beiträge: Janet Wagner nimmt in ihrem Text Bezug auf die inzwischen in die Jahre gekommene Ausbildungsverordnung für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FaMI). Am Beispiel der Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Bildung für nachhaltige Entwicklung zeigt die Autorin, wie sich Bibliotheken in Berlin behelfen, um bislang in der Verordnung nicht abgebildete Themen, die aber von hoher gesellschaftlicher Relevanz sind, in die praktische FaMI-Ausbildung zu integrieren. Petra Drotleff widmet sich in ihrem Fachbeitrag dem hochaktuellen und durchaus brisanten Thema der Cybersicherheit an Hochschulen und deren Bibliotheken. Sie stellt dabei verschiedene Verfahren und Maßnahmen vor, die auch kleinere Einrichtungen mit begrenztem Budget umsetzen können.
Die Herausgeber*innen möchten an dieser Stelle allen Autor*innen ganz herzlich für ihren Beitrag danken!
Mit jedem Neuanfang ist notgedrungen auch ein Ende verbunden. So haben nach sieben Jahren Eric W. Steinhauer und Hartmuth Ihrig von der FernUniversität Hagen die Herausgeberschaft des Bibliotheksdienstes abgegeben. Das neue Herausgebergremium möchte die Gelegenheit nutzen, um den beiden für ihre langjährige, intensive und erfolgreiche Arbeit für die Zeitschrift ganz herzlich zu danken!
Viel Vergnügen mit dieser Ausgabe des Bibliotheksdienstes wünschen Ihnen nun Sabine Wolf, Karin Holste-Flinspach und Boris Queckbörner