Aufgrund von angeordneten Sparmaßnahmen für die Stadt Waiblingen sind wir aufgefordert, ein Konzept für die Umstellung unserer fünf hauptamtlich geführten Ortsbüchereien auf ehrenamtlich geführte Zweigstellen aufzustellen.
Wir suchen nun Büchereien in denen ehrenamtlich gearbeitet wird, ohne dass die Zweigstelle komplett von der Zentralbücherei getrennt ist.
Dazu haben wir ein paar offene Fragen und hoffen, hier Antworten zu finden:
Die Medien der Zweigstelle sind in Ihrem OPAC verzeichnet. Haben die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen während der Öffnungszeit Zugriff auf Ihr System für die Verbuchung und Auskunft, oder wird das z.B. über einen Selbstverbucher erledigt?
Sollten die MitarbeiterInnen Zugriff auf das System haben, sind sie dabei auf bestimmte Bereiche beschränkt, oder dürfen Sie Gebühren einnehmen, neue Nutzer anlegen, Katalogdaten ändern usw.? Müssen sie dafür eine Datenschutzvereinbarung unterschreiben?
Leisten Sie und/oder die städtische IT-Abteilung die technische Unterstützung für die Zweigstelle?
Gibt es größere Arbeitsbereiche in der Zweigstelle, die weiterhin von hauptamtlichen MitarbeiterInnen übernommen werden, wie die Medienauswahl und -einarbeitung oder Veranstaltungsmanagement?
Falls Ehrenamtliche die Medienauswahl tätigen, gibt es hier Auswahlkriterien, die beachtet werden müssen, z. B. besonders viele Kinderbücher?
Findet ein Medienaustausch zwischen der Hauptstelle und Zweigstelle statt und wie wird dieser gestaltet?
Werden neue ehrenamtliche MitarbeiterInnen von Ihnen geschult? Falls ja, müssen diese Schulungen öfters wiederholt werden, wenn neue MitarbeiterInnen dazustoßen?
Wird von Ihren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ein polizeiliches Führungszeugnis gefordert?
Erhalten die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen einen geldlichen Ausgleich für erbrachte Leistungen?
Wie hoch ist die Fluktuation und die Ausfälle bei den Ehrenamtlichen?
Es sind viele Fragen.
Sie dürfen uns auch gern persönlich auf folgende E-Mail-Adresse antworten:
es ist immer „speziell“, wenn Kommunen Aufgaben in die Hände von Freiwilligen geben (wollen/müssen). Was wäre die Alternative: die Schließung der wohnortnahen Versorgung und damit der tiefe Schnitt ins eigene Fleisch?
Meiner Erinnerung nach hat auch die Stadtbücherei mindestens zwei Zweigstellen in andere Trägerschaft gegeben: Aaseemarkt und Hansaviertel. Außerdem gibt es Kooperationen mit kirchlichen Trägern. Am besten dort einmal melden und sich austauschen. Auf viele der Fragen wird man dort Antworten parat haben!
In Göttingen werden unsere 3 kleinen Zweigstellen Elliehausen, Nikolausberg und Roringen zu den Öffnungszeiten von Ehrenamtlichen betreut. Die Erwerbung, Statistik etc. macht aber eine Kollegin hier, die allerdings gerade in Ruhestand gegangen ist. Die neue Kollegin wird derzeit eingearbeitet. Da könnten Sie sich also vielleicht demnächst melden (die alte Kollegin kommt noch ab und an zur Einarbeitung).
Den Punkt mit der IT kann ich aber beantworten: Die kleinen Zweigstellen laufen komplett ohne Computer, ein Grund dafür ist meines Wissens, dass zwei der Zweigstellen in Grundschulen sind und wohl manchmal die Lehrer zu geschlossenen Zeiten reingehen und mit den Kindern Ausleihen tätigen. Die Stadt-IT hat WLAN-Access-Points, aber die brauchen nicht viel Betreuung. Die Bib-IT muss sich um die Zweigstellen praktisch nicht kümmern.
Mich erstaunt ein wenig, daß bei Euch und Ihnen Ehrenamtler offenbar während der Öffnungszeiten die Zweigstelle alleine betreuen dürfen. Bei uns ist das absolut verboten: ohne die Anwesenheit eines Hauptamtlers darf sich kein Ehrenamtler/Helfer/Freundeskreisangehöriger im Haus aufhalten, geschweige denn die Bibliothek öffnen. Im Extremfall bedeutet das, daß die Zweigstelle geschlossen bleibt wenn sich ein Hauptamtlicher im Urlaub befindet, der zweite kurzfristig erkrankt und niemand aus der Hauptstelle vertreten kann weil dort auch Land unter ist. Da könnten zwanzig Ehrenamtler vor der Bibiothekstür stehen, der Laden muß geschlossen bleiben. Das passiert natürlich eher selten, kam aber schon vor. Ich habe das bisher für ein ehernes Gesetz des Arbeitsschutzes gehalten, habe mich aber offenbar getäuscht. Oder?
@Myrtha Ich empfinde das schon als außerordentlich drastische Regelung, gibt es einen Grund dafür?
Man könnte den Eindruck gewinnen, dass hier Ehrenamtlichen zutiefst misstraut wird. Warum dies? Sind ehrenamtliche Mitarbeiter/innen in Ihrem Haus weniger vertrauenswürdig als Mitarbeiter/innen, die dieselbe Arbeit hauptberuflich ausüben? Haben Sie ggf. schlechte Erfahrungen gemacht?
In meiner (Wohn-)Gemeinde wird eine komplette Bücherei ausschließlich von Ehrenamtlichen geführt, von der Budgetverwaltung über die Beschaffung, den Benutzungsdienst bis hin zur Schlüsselgewalt und der Ausübung des Hausrechts - ganz ohne Hauptamtliche. Auch wenn diese Situation aus berufspolitischer Sicht nicht wünschenwert ist, läuft die Bücherei dennoch gut, wird professionell geführt und ist bei Bürger/innen und Verwaltung gleichermaßen beliebt.
Würde seitens der Gemeindeverwaltung ein derartiges Misstrauen gegenüber den Ehrenamtlichen an den Tag gelegt, wären die ganz schnell weg und die Bücherei könnte geschlossen werden.
Da ich keine Leitungsfunktion habe kenne ich die genaue Begründung nicht, aber ich weiß mit absoluter Sicherheit, daß es nichts mit Misstrauen zu tun hat. Zum einen kennt man die Ehrenamtler seit Jahren, zum anderen: warum auch? Was gäbe es zu klauen? Eben. Wie gesagt, ich halte es durchaus für möglich, daß nicht nur ich dies fälschlicherweise für ein Gebot des Arbeitsschutzes gehalten habe, sondern auch Kollegen mit Entscheidungsbefugnis. Allerdings sind unsere Gebäude alle mehrstöckig, man könnte also im Aufzug steckenbleiben oder auf der Treppe stürzen. Da dies Hauptamtlichen ebenfalls passieren kann, ist dies aber natürlich kein Argument. Daher ja die Frage. Was ich grundsätzlich davon halte, eine Bibliothek vor die Wahl zu stellen, entweder Zweigstellen zu schließen, oder den Job unbezahlten Ehrenamtlern zu überlassen, kleide ich lieber nicht in Worte. Nur soviel: ich würde die Zweigstelle schließen und auf einen Sturm der Entrüstung seitens der Leser hoffen gegen den Kyrill ein leichter Sommerwind war… Ehrenamtler sind wunderbar, aber man kann doch nicht alles und jedes NUR netten Menschen überlassen, die bereit sind (und es sich leisten können!) für gute Arbeit kein Geld zu nehmen. Seien es Bürgerbusse, Tafeln, Kinderbetreuung oder eben Bibliotheken. Aber das ist natürlich ein anderes Thema und mir ist klar, daß es hier zu weit führt.