Werte Kolleg*innen, liebe Mitglieder des LIBREAS. Vereins,
gerne zeige ich Ihnen / euch an, dass die LIBREAS. Library Ideas einen Call for Papers für die Ausgabe #49 veröffentlicht hat. Dieser findet sich hier im Anhang sowie im Blog ( CFP #49: Genuss — Essen, Trinken, Schlafen in der Bibliothek | LIBREAS.Library Ideas ). Wir wollen diese Ausgabe, vieleicht ein wenig gegen den aktuellen Trend in der Welt, einem positivem Thema widmen, nämich dem Genuss. Hoffentlich spricht Sie / euch das auch an.
Zudem lädt die Redaktion der LIBREAS während der diesjährigen BiblioCon wieder zu einem offenen Treffen ein (am 20.05., 19:00, im Restaurant „Hüftgold“ in Berlin, Nahe S-Bahnhof Ostkreuz). Die Hinweise dazu finden sich auch im Blog ( Libreas auf der BiblioCon 2026 | LIBREAS.Library Ideas ).
Für die Redaktion,
Karsten Schuldt
CFP #49: Genuss — Essen, Trinken, Schlafen in der Bibliothek
Bibliotheken sind heute, das ist wohl unbestritten, offene Orte, die eine hohe Aufenthaltsqualität anstreben. Schlagworte wie „Dritter Ort“, “24 Stunden Bibliothek", „Open Library“ sind in Bibliotheksstrategien und Berichten über Bibliotheken verbreitet. Bibliotheken wollen, dass viele Menschen zu ihnen kommen, ihre Angebote nutzen und vor Ort verweilen. Und das passiert auch. Menschen genießen es, Bibliotheken zu besuchen und dort auch eine lange Zeit zu bleiben: zum Lernen, zum Spielen, zum Reden, zum Treffen und zu vielem mehr.
Und hier kommt der Genuss ins Spiel. Zu all dem gehört nämlich auch, dass Menschen in Bibliotheken Bedürfnissen nachgehen wie Essen, Trinken oder Schlafen. In vielen Fällen haben Bibliotheken das auch heute schon integriert. Bibliothekscafés, Getränkeautomaten, Sofas und Lounges sind weit verbreitet, sowohl in Wissenschaftlichen als auch Öffentlichen Bibliotheken. Einzelne Bibliotheken bieten, auch wenn sie es nicht unbedingt bewerben, sogar Orte an, die explizit für kurze Schlafpausen gedacht sind.
Die Ausgabe #49 der LIBREAS wollen wir nutzen, um diese Aspekte des Bibliotheksalltags in den Mittelpunkt zu stellen. Wir wollen von euch, liebe Kolleg:innen, wissen, was Nutzer:innen in euren Bibliotheken machen. Was beobachtet ihr? Wie nehmt ihr das wahr, wie nehmen das andere Nutzende wahr? Hat sich in den letzten Jahren etwas verändert? Habt ihr den Raum deshalb neu gestaltet, neue Services entwickelt, die Nutzungsordnung, die Öffnungszeiten oder anderes angepasst?
Genuss hinterlässt aber auch, wie wir wissen, Spuren. In einigen Bibliotheken kommt es zu Vermüllung durch Packungen von Lieferdiensten, durch Einwegbecher, Benutzungsspuren und übermäßigen Verschleiß. Gleichzeitig zeigt diese intensive Nutzung, dass Bibliotheken ihr Ziel erreichen: Menschen nutzen den Ort Bibliothek gerne, lange und viel. Die Frage, die sich für die Bibliotheken deshalb wohl stellt, ist: Sollten sie das aktiv gestalten, einfach laufen lassen oder gar versuchen, es doch irgendwie einzuschränken?
Übergeordnet kann man diesen Themenkomplex nicht nur mit Einzelberichten angehen, sondern sich zum Beispiel auch fragen, ob diese genussvolle Nutzung von Bibliotheken eigentlich wirklich so neu ist oder einfach nur weniger beachtet und gefördert wurde. Beispielsweise gab es vor rund zwanzig Jahren in kanadischen Bibliotheken eine ganze Reihe von Beobachtungsstudien (unter dem Schlagwort „sweeping the floor“), die oft zu dem Ergebnis kamen, dass Essen und Trinken auch dann Hauptaktivität von Nutzer:innen war, wenn es verboten war. [1] Verschwimmen die Grenzen zwischen all den „Orten“, die Bibliotheken sein wollen oder waren: Lernort, Genussort, Raum der Ruhe, Kulturraum, Erlebnisstätte? Gibt es wirklich mehr Herausforderungen oder einfach andere?
Wir freuen uns über Einreichungen ganz verschiedener Art, Formate und Themen. Fotostrecken, Erfahrungsberichte, wissenschaftliche Abhandlungen und anderes sind gleichermaßen willkommen. Einreichungen (unter Kenntnisnahme der Autor:innenhinweise) können bis zur Deadline am 30.09.2026 an das Redaktionspostfach (redaktion(at)libreas.eu) geschickt werden.
Ihre / eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas
(Berlin, Brandenburg an der Havel, Chur, Göttingen, Karlsruhe und München)
Fußnoten:
[1] Vergleiche Given, Lisa M ; Leckie, Gloria J. (2003). „Sweepin“ the library: Mapping the social activity space of the public library. In: Library & Information Science Research 25 (2003) 4: 365–385, 10.1016/S0740-8188(03)00049-5.