„»Ich fühle mich nicht arm, aber wir können nichts zur Seite legen« - Daria, 25, arbeitet in einer Stadtbibliothek. Ihr Job macht ihr Spaß, auch wenn sie nicht viel verdient. Sie will etwas gegen den Rechtsruck tun. Der Kontoauszug.“
Im Artikel selbst ist von einer „Fachangestellten“ die Rede.
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Zum Thema FaMIs verdienen nicht viel: hat sich zum Glück teilweise geändert. Ich hab bei meinem ersten Job nach der Ausbildung als Elternzeitvertretung beim Bund gearbeitet mit TvöD 5 und hatte 1100 Euro netto raus. Da hat sich wahrscheinlich schon was getan. Hatte dann noch das Studium gemacht. Bei meinem letzten Job war der Unterschied FaMi/Bibliothekar:in gar nicht sooo stark. Die FaMIs sind dort mit E8 eingestuft worden. Und sind dann in eine E9a höher gruppiert worden. Das war wirklich super! Aber ja, ich weiß dass das leider noch nicht überall so aussieht.
Ich habe viele Jahre in einer großen Universitätsbibliothek gearbeitet und war beim Land angestellt. Tatsächlich waren wir FaMIs nur mit E5 besoldet, obwohl sich das Tätigkeitsfeld in den Jahren stark gewandelt hat und der Aufgabenzuwachs enorm zugenommen hat. Da es für mich keine weiteren Aufstiegschancen gegeben hat, habe ich mich letztendlich beim Bund um eine Stelle beworben, ich bin nun verbeamtet und mit A8 besoldet, von dem Gehalt kann ich sehr gut leben und mir auch einiges an Geld zurücklegen.
ich habe die Ausbildung 2011 abgeschlossen und bin mit der E5 übernommen worden. Seit 2013 in leitender Funktion, damals mit der E9 und mittlerweile nach einer externen Stellenbewertung mit der E11 angestellt. Auch ohne Studium oder Fachwirt ist die Eingruppierung bei entsprechenden Aufgabengebieten und Verantwortungen möglich. Nach Rücksprache mit Verdi einmal ist es jedoch wichtig, dass die Stellenausschreibungen bei den Einstellungsvoraussetzungen die Möglichkeit bieten. Beispielsweise „Wir erwarten ein abgeschlossenes Studium im Bereich Bibliothekswesen (Bachelor, Diplombibliothekar/in), bzw. ein vergleichbares Studium oder eine Ausbildung im Bereich des Bibliothekswesens“.
Solche Ausschreibungen sind leider selten.
Soweit ich weiß, sind Famis in Berlin immer noch bei E5 oder 6 je nach Bibliothek. Und in der Großstadt kann man sich damit kaum die Miete leisten.
In Niedersachsen ist es in der Regel eine E6, Bremen stellt aber mit 9a ein, sobald man Veranstaltungen macht und das ist super!
Höhergruppierungen dank anspruchsvolleren Aufgaben existieren zum Glück und damit haben wir hier auch ein sehr diverses Fami Team. Aber grundsätzlich hat nicht jede Bibliothek diese „Aufstiegschance“ und nach Hörensagen werden in sehr großen Bibliotheken die Famis auch gerne mal kleingehalten und die Bibls machen den Job (den Famis auch gut erledigen könnten).
Am Ende isses halt so: Reich wird vermutlich niemand. Aber an manchen Stellen kann man zumindest was an die Seite legen.
leider sind solche Stellenausschreibungen viel zu selten, ich schaue regelmäßig die aktuellen Anzeigen durch, meistens wird jedoch das Studium vorausgesetzt.
In unserem Haus (NRW) sind FaMis und Bibliothekare absolut gleichberechtigt. Solange es nicht um Geld geht. FaMis machen Veranstaltungen, Lektoratsarbeit, verwalten einen Etat und/oder arbeiten in der Beratung. Das alles für E 6. Da muß nun jeder selber entscheiden ob er das will und in der Lage ist das finanziell zu tragen. Ich halte diese finanzielle Ungleichheit für frech und nicht zeitgemäß, aber natürlich wird in Zeiten wie diesen keine Kommune beschließen, ausgerechnet jetzt Gerechtigkeit walten zu lassen.
Also… ich mache eine Ausbildung und bekomme weniger Gehalt für die gleichen Aufgaben, die ein Bibl macht?
Andersherum: Ich habe studiert und bekomme die gleichen Aufgaben wie ein Fami?
Glaube, da sollte mal nachjustiert und bisschen was an Höhergruppierungsanträgen losgeschickt werden.
In Berlin (ÖB) gibts die FaMIs in den Entgeltgruppen 6 bis 9a; in den letzten Jahren wurden viele Stellen auf eine E8 neubewertet, mit angepasstem Aufgabenzuschnitt. Ist aber trotzdem keine leicht zu bezahlende Stadt…
Ad 2: Ich denke nicht, daß man sich in Zeiten von z.T. extremer Personalknappheit ein Denken wie „Ich bekomme die gleichen Aufgaben wie ein FaMi“ noch leisten kann wenn man sich das Leben nicht selbst unnötig schwer machen will. Der Job muß gemacht werden, und wer kann der tut. Der Bibl sitzt an der Verbuchungstheke wenn nötig, der FaMi (oder bei sehr alten Hasen: Assistent) betreut ein Lektorat weil er es nunmal kann. Bei uns läuft das sehr gut. Viele Bibliotheken wären schon lange vor die Wand gefahren wenn man nicht pragmatisch denken und handeln würde. Die finanzielle Ungerechtigkeit bleibt dennoch. Umso mehr, da ein Bibl aufgrund seines höheren Gehalts seine Stundenzahl reduzieren kann wenn es ihm nötig erscheint und er das möchte. FaMis können das aus finanziellen Gründen oft nicht. Überspitzt formuliert: wir werden schlechter bezahlt, sind aber noch da wenn der bibliothekarische Kollege aufgrund seiner Teilzeit schon daheim ist.
Leider wahr. Ich kann aus eigener Erfahrung auch berichten, dass Bewerbungen auf Ausschreibungen, die nur ein Studium voruassetzen, mit der Begründung „nicht bewerbungsberechtigt“ abgelehnt werden. Trotz jahrzehntelanger Leitungserfahrung. Da müsste sich etwas ändern, dass man die Berufserfahrung entsprechend anerkennt. Beispielsweise mindestens die Erfahrung in einer vergleichbaren Position, die man für den geforderten Studienabschluss benötigt. Beispielsweise beim Bachelor sollte man mindestens 3,5 Jahre in einer vergleichbaren Position Berufserfahrung haben. Das wäre fair, ist aber nicht der Fall. (Und ich habe es wiederholt erlebt, dass die Stellen dann aufgrund der Bewerberlage erneut ausgeschrieben werden mussten…)