Sehr geehrter Herr Böttcher,
wir haben seit September 2022 Benutzerausweise aus recycelten Kunststoff von der Firma Card solution aus Österreich im Einsatz und sind sehr zufrieden damit. Ich hatte mich im Vorfeld bei der Agentur für nachwachsende Rohstoffe gemeldet und nachgefragt.
Hier die damalige Antwort: vielen Dank für Ihre Anfrage. Es freut uns, dass Sie sich über die
verwendeten Materialen in Ihrem Unternehmen Gedanken machen. Gern versuche
ich Ihre Fragen zu beantworten:
Welches Material tatsächlich ökologischer ist lässt sich pauschal schwer beantworten, da für den speziellen Anwendungsfall ein umfangreiches
Life-Cycle-Assessment mit Vergleich aller Materialen notwendig wäre. Tendenziell lässt sich aber vermuten, dass es hier kein Material gibt, dass
den anderen hinsichtlich ökologischer Gedanken grundsätzlich deutlich überlegen ist. Recycelte Kunststoffe sind aber ein sinnvoller Ansatz. Meines
Wissens erfolgt das Recycling auch oftmals in Deutschland aus den lokal anfallenden Kunststoffabfällen, wenn auch noch nicht in den gewünschten Mengen. Die von Ihnen geschilderte Darstellung bzgl. des hohen weltweiten
Transportbedarfs betrifft m.E. eher das Abfallmanagement, dass sich im Regelfall außerhalb der eigentlichen Vorgaben in Deutschland/International abspielt. Recycling wird in Deutschland und in der EU zunehmend
regulatorisch vorangetrieben, sodass hoffentlich immer weniger dieser „illegalen“ Entsorgungsgeschäfte stattfinden.
So wird „nur“ ein 1/6 des in Deutschland anfallenden Kunststoffabfalls
exportiert und im Ausland recycelt. Dieser Anteil stammt überwiegend aus der Industrie und nicht aus dem dualen System (gelbe Tonne). Quelle: Export von Plastikabfällen - NABU
[https://www.nabu.de/imperia/md/nabu/images/umwelt/abfall/190311_weltinplast
ik_s-kuehnapfel_680x453.jpeg]< Export von Plastikabfällen - NABU >
Export von Plastikabfällen -
NABU<https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/26205.ht
ml> www.nabu.de
1,04 Millionen Tonnen Plastikabfälle aus Deutschland wird exportiert.
Insbesondere Exporte nach Südostasien sind problematisch und müssen
reguliert werden.
Auch gibt es inzwischen Lösungen aus biobasierten Materialien wie z.B. PLA,
wofür keine fossilen Ressourcen beansprucht werden.
Karten aus Holz oder Gras haben eine deutlich reduzierte Haltbarkeit. Im Bereich der Holzwerkstoffe gibt es aber Forschungsbestrebungen die Beständigkeit zu erhöhen, beispielsweise auch über das BMEL und die FNR gefördert: www.fnr.de: Projektverzeichnis - Details
Das Recycling der (Kunststoff-)Karten ist aufgrund des Schichtverbunds idR schwierig, sodass benutzte Karten wohl in der energetischen Verwertung landen. In Deutschland halte ich biologisch-abbaubare Karten eher für unzweckmäßig, da die Karten eine deutlich reduzierte Lebensdauer haben und somit öfter ausgetauscht werden muss. Zudem ist in Deutschland davon auszugehen, dass die Karten nicht in der Umwelt verbleibt, sondern den Weg in die Verwertung findet, vorausgesetzt dass die Entsorgung beim Verbraucher über die Haushaltsmüll oder den gelben Sack erfolgt und nicht im Wald.
Fazit:Im Sinne der Ressourcenschonung ist es m.E. erstrebenswert Karten zu verwenden, die eine hohe Lebensdauer aufweisen und aus recycelten Kunststoffen oder biobasierten Materialen (nicht auf den biologischen Abbau ausgelegt) bestehen. Wenn Sie sicher gehen wollen woher das Recyclingmaterial stammt müssen Sie dazu mit dem Hersteller in Kontakt treten.
Vielleicht kann der ein oder andere Kunde optional auch ganz auf die Karte verzichten. In Zeiten elektronischer Ausweise reicht evtl. auch schon der digitale Nachweis über diverse Apps oder im E-Wallet auf dem Smartphone.
Ich hoffe ich konnte Ihnen hiermit weiterhelfen. Die Thematik ist komplex und lässt sich nicht einfach abhandeln. Wenn Sie noch Rückfragen haben können Sie mich auch gern telefonisch kontaktieren.
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
Robert Hardt
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Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) M.Sc. Robert Hardt Referent
Projektmanagement OT Gülzow Hofplatz 1
18276 Gülzow-Prüzen
Tel.: 03843/6930-204
Fax: 03843/6930-102
Mail: r.hardt@fnr.demailto:r.hardt@fnr.de
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Sollte es neueres Wissen dazu geben, freue ich mich über eine Antwort.
Das Netzwerk grüne Bibliotheken ist meist eine gute Quelle dazu.
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Dunker, Gemeindebücherei Grasbrunn