Nachhaltige Benutzerausweise / Leserausweise aus Holz, Papier etc

Liebe Kolleg/inn/en,

hat hier jemand bereits Erfahrungen mit „nachhaltigen“ Benutzerausweisen / Leserausweisen, die nicht aus Kunststoff, sondern aus recycleten Materialien, Papier oder Holz hergestellt wurden?

Wenn ja, wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Wie bewähren sich diese Ausweise im Praxisbetrieb?

Wie sind die Kosten im Vergleich zu konventionellen Ausweisen aus Kunsstoff?

Wer bietet so etwas an?

Googeln Sie doch mal „ökologische Scheckkarten“.
Da kommen dann auch ziemlich viele Varianten und Firmenanbieter als Treffer.

Die KI sagt mir dazu dann Folgendes:

Ökologische Scheckkarten bieten nachhaltige Alternativen zu herkömmlichem PVC und umfassen Materialien wie Holz, Bio-PVC, recyceltes PVC sowie Karton oder Zellstoff. Diese Karten sind für verschiedene Einsatzzwecke wie Kundenkarten, Mitgliedsausweise oder Geschenkkarten erhältlich und können oft mit modernen Technologien wie RFID-Chips oder Magnetstreifen ausgestattet werden.

Wichtige Materialien und Eigenschaften

  • Holzkarten: Bestehen zu 100 % aus Echtholz (z. B. Ahorn, Birke) und weisen einen Anteil nachhaltiger Rohstoffe von mindestens 70 % auf. Sie sind mit einer dünnen PET-Schutzschicht überzogen, um den Druck mit Kartendruckern oder Laserung zu ermöglichen.

  • Bio-PVC: Ist biologisch abbaubar und bietet eine umweltfreundlichere Alternative zu Standardplastik, während es ähnliche Druck- und Verarbeitungseigenschaften aufweist.

  • Recyceltes PVC: Wird aus industriellen Abfällen hergestellt und reduziert Emissionen sowie Deponiemüll; PVC kann bis zu 8-mal ohne Qualitätsverlust recycelt werden.

  • Karton & Zellstoff: Vollständig plastikfreie Optionen, die aus FSC-zertifiziertem Recyclingpapier oder Zuckerrohrfasern bestehen. Sie sind ideal für einmalige Nutzung (z. B. Gutscheine), da die Knickfestigkeit geringer ist als bei Kunststoff.

  • Öko-Kalk-Karten: Bestehen zu 85 % aus Kalk und nur zu einem kleinen Teil aus PVC, wodurch sie größtenteils biologisch abbaubar sind und für Standard-Kartendrucker geeignet sind.

  • SAVEtheOCEAN-Card: Besteht zu 99 % aus PVC, das aus den Weltmeeren zurückgewonnen wurde, und spart bei der Produktion zusätzliche CO2-Emissionen ein.

Danke dafür, @StBEbern , unsere hauseigene KI-Schnittstelle LeoGPT kam ungefähr zu demselben Ergebnis. :slight_smile:

Die Angaben stammen aber (ebenfalls laut der KI) überwiegend von den Webseiten der Anbieter dieser Karte - denen mag man nun glauben oder auch nicht.
Auf Nachfrage konnte die KI leider so gut wie keine Erfahrungsberichte aus der Praxis vorweisen. Lediglich ein Hinweis darauf, dass sich diese Karten wohl bisher als nicht sehr feuchtigkeitsresistent erwiesen haben sollen, hat sich gefunden.

Hier sind wir also „zurück im richtigen Leben“, meine Frage zielt auf Erfahrungsberichte zum Einsatz dieser nachhaltigen Karten in der bibliothekarischen Praxis ab.

Sehr geehrter Herr Böttcher,

wir haben seit September 2022 Benutzerausweise aus recycelten Kunststoff von der Firma Card solution aus Österreich im Einsatz und sind sehr zufrieden damit. Ich hatte mich im Vorfeld bei der Agentur für nachwachsende Rohstoffe gemeldet und nachgefragt.

Hier die damalige Antwort: vielen Dank für Ihre Anfrage. Es freut uns, dass Sie sich über die
verwendeten Materialen in Ihrem Unternehmen Gedanken machen. Gern versuche
ich Ihre Fragen zu beantworten:
Welches Material tatsächlich ökologischer ist lässt sich pauschal schwer beantworten, da für den speziellen Anwendungsfall ein umfangreiches
Life-Cycle-Assessment mit Vergleich aller Materialen notwendig wäre. Tendenziell lässt sich aber vermuten, dass es hier kein Material gibt, dass
den anderen hinsichtlich ökologischer Gedanken grundsätzlich deutlich überlegen ist. Recycelte Kunststoffe sind aber ein sinnvoller Ansatz. Meines
Wissens erfolgt das Recycling auch oftmals in Deutschland aus den lokal anfallenden Kunststoffabfällen, wenn auch noch nicht in den gewünschten Mengen. Die von Ihnen geschilderte Darstellung bzgl. des hohen weltweiten
Transportbedarfs betrifft m.E. eher das Abfallmanagement, dass sich im Regelfall außerhalb der eigentlichen Vorgaben in Deutschland/International abspielt. Recycling wird in Deutschland und in der EU zunehmend
regulatorisch vorangetrieben, sodass hoffentlich immer weniger dieser „illegalen“ Entsorgungsgeschäfte stattfinden.
So wird „nur“ ein 1/6 des in Deutschland anfallenden Kunststoffabfalls
exportiert und im Ausland recycelt. Dieser Anteil stammt überwiegend aus der Industrie und nicht aus dem dualen System (gelbe Tonne). Quelle: Export von Plastikabfällen - NABU
[https://www.nabu.de/imperia/md/nabu/images/umwelt/abfall/190311_weltinplast
ik_s-kuehnapfel_680x453.jpeg]< Export von Plastikabfällen - NABU >

Export von Plastikabfällen -
NABU<https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/26205.ht
ml> www.nabu.de
1,04 Millionen Tonnen Plastikabfälle aus Deutschland wird exportiert.
Insbesondere Exporte nach Südostasien sind problematisch und müssen
reguliert werden.

Auch gibt es inzwischen Lösungen aus biobasierten Materialien wie z.B. PLA,
wofür keine fossilen Ressourcen beansprucht werden.

Karten aus Holz oder Gras haben eine deutlich reduzierte Haltbarkeit. Im Bereich der Holzwerkstoffe gibt es aber Forschungsbestrebungen die Beständigkeit zu erhöhen, beispielsweise auch über das BMEL und die FNR gefördert: www.fnr.de: Projektverzeichnis - Details

Das Recycling der (Kunststoff-)Karten ist aufgrund des Schichtverbunds idR schwierig, sodass benutzte Karten wohl in der energetischen Verwertung landen. In Deutschland halte ich biologisch-abbaubare Karten eher für unzweckmäßig, da die Karten eine deutlich reduzierte Lebensdauer haben und somit öfter ausgetauscht werden muss. Zudem ist in Deutschland davon auszugehen, dass die Karten nicht in der Umwelt verbleibt, sondern den Weg in die Verwertung findet, vorausgesetzt dass die Entsorgung beim Verbraucher über die Haushaltsmüll oder den gelben Sack erfolgt und nicht im Wald.

Fazit:Im Sinne der Ressourcenschonung ist es m.E. erstrebenswert Karten zu verwenden, die eine hohe Lebensdauer aufweisen und aus recycelten Kunststoffen oder biobasierten Materialen (nicht auf den biologischen Abbau ausgelegt) bestehen. Wenn Sie sicher gehen wollen woher das Recyclingmaterial stammt müssen Sie dazu mit dem Hersteller in Kontakt treten.

Vielleicht kann der ein oder andere Kunde optional auch ganz auf die Karte verzichten. In Zeiten elektronischer Ausweise reicht evtl. auch schon der digitale Nachweis über diverse Apps oder im E-Wallet auf dem Smartphone.

Ich hoffe ich konnte Ihnen hiermit weiterhelfen. Die Thematik ist komplex und lässt sich nicht einfach abhandeln. Wenn Sie noch Rückfragen haben können Sie mich auch gern telefonisch kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen

im Auftrag

Robert Hardt

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Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) M.Sc. Robert Hardt Referent

Projektmanagement OT Gülzow Hofplatz 1

18276 Gülzow-Prüzen

Tel.: 03843/6930-204

Fax: 03843/6930-102

Mail: r.hardt@fnr.demailto:r.hardt@fnr.de

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Sollte es neueres Wissen dazu geben, freue ich mich über eine Antwort.

Das Netzwerk grüne Bibliotheken ist meist eine gute Quelle dazu.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Dunker, Gemeindebücherei Grasbrunn

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Ich habe zwar keine Erfahrungen aus der bibliothekarischen Praxis - aber aus dem Alltag. Meine Bankkarte bei der GLS-Bank ist aus Holz und nach Angaben der Bank plastikfrei. Ich habe die Bankkarte seit mehreren Jahren immer im Geldbeutel dabei und nutze sie regelmässig zum bezahlen. Der Einsatz ist also ganz ähnlich wie bei einer Bibliothekskarte. Bisher zeigt meine Bankkarte noch keinerlei Abnutzungserscheinungen.

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Liebe Frau Dunker, liebe Frau Schuler, Ihnen beiden vielen Dank für die informativen und hilfreichen Antworten!