Bibliothek der Dinge - Langfristige Verfügbarkeit

Wir werden bald eine Bibliothek der Dinge eröffnen. Dazu haben wir eine Frage, bei der mich die Meinung der Schwarmintelligenz interessiert.

Wir möchten auch Sofortbildkameras anbieten. Viele von den heute erhältlichen Modellen verfügen über eine eigene App, mit der eine digitale Version des Instantbildes auf ein Smartphone übertragen werden kann.*
So praktisch das klingt, frage ich mich, ob da nicht das Risiko zu groß ist, dass die App in einem oder zwei Jahren nicht mehr verfügbar ist und die Kamera kaum nicht ausgegeben werden kann. Ähnliche Bedenken habe ich beim Fotopapier. Manche Geräte sind da auf Papier von einem bestimmten Hersteller angewiesen, was natürlich zu einem Problem werden kann, wenn der Hersteller sein Angebot ändert.

Gibt es da schon Erfahrungen und Empfehlungen? Vielleicht mache ich mir ja zu große Sorgen um geplante Obsoleszenz…

*Digitale Sofortbildkamera. Bin ich der einzige, der gerade das Doctor-Who-Intro hört?

Wenn Sie Bedenken in Bezug auf die Nachhaltigkeit haben: Kaufen Sie die Kamera doch einfach nicht. Oder suchen Sie eine Kamera, die eine normale Speicherkarte hat?

Nach inzwischen sechs Jahren Erfahrung mit unserer Bibliothek der Dinge haben wir aktuell Bilanz gezogen, welche Dinge sich bewährt haben und welche Probleme bereiten.

Mit Blick auf die Frage bzgl. der Sofortbildkamera können wir sagen, dass folgende Dinge sich als ganz oder in Teilen problematisch erwiesen haben:

  • alle Dinge, die spezielles Zusatz- oder Verbrauchsmaterial benötigen (bspw. das Thermo-Buchbindegerät, das nur mit speziellen Folien betrieben werden kann, die von den Entleihenden besorgt werden müssen)
    => Ähnliches könnte bei Ihnen mit dem Fotopapier für die Kamera problematisch werden
  • alle Dinge, für deren Nutzung die Entleihenden ein Konto bei einem Anbieter anlegen müssen, das dann „mit dem Ding verbunden ist“ (bspw. die Tonie-Box, für die wir ein Konto haben und bei der wir dann die Tonies aufspielen müssen - die Entleihenden können das nicht mit ihrem Konto machen)
    => braucht man für die App zur Soforbildkamera ein Konto? Wenn ja: Problem!
  • alle Dinge, die technisch komplexer sind und von den Entleihenden fundiertes Wissen für die Nutzung benötigen (bspw. den Rasberry Pi, den man konfigurieren bzw. programmieren muss, oder das Gerät zur Digitalisierung von Dias, dessen Handhabung sehr komplex ist)
    => Sofortbildkamera + App + Übertragung auf den Computer - dazu fallen mir gleich eine ganze Reihe an „Sollbruchstellen“ in der Benutzung ein … :slight_smile:
  • alle Dinge, die nach der Nutzung vom Büchereipersonal aufwendig wieder „zurückgesetzt“ oder überprüft werden müssen, wie eBook-Reader, Messgeräte aller Art etc. etc.
    => Sie sollten prüfen, ob die Kamera für die Nutzung von mehr als einer Person geeignet ist.

Die festgestellten Probleme bedeuten nicht, dass wir auf jedes „Ding“, das Probleme oder Komplexität mit sich bringt, verzichten werden. Aber wir werden bei der künftigen Auswahl neuer „Dinge“ sorgfältiger als früher darauf achten, wie komplex sie sind, welche Begleitumstände sie ggf. mit sich bringen und ob wir damit umgehen können.

Was Ihre Frage nach der „Nachhaltigkeit“ angeht: das Konzept „Bibliothek der Dinge“ ist in meinen Augen an sich nachhaltig. Ob die einzelnen Dinge für sich jeweils nachhaltig sind, ist m. E. nach eine Frage der Betrachtungsweise. Alle Dinge unterliegen im Rahmen des Verleihs in einer Bibliothek mehr als üblich dem Verschleiß, hinzu kommt die o. g. Komplexität.

Es kommt vermutlich darauf an, was man mit dem einzelnen „Ding“ erreichen möchte. Wenn man ein passendes Nutzungsszenario hat, kann auch eine Sofortbildkamera mit App in einer Bibliothek der Dinge durchaus als nachhaltig betrachtet werden.

7 Likes

Wir haben ein Sofortbildkamera von FUJIFILM instax mini 12. Diese hat keine App und die Ausleiher müssen die Filme selbst kaufen. Da wir erst seit einigen Wochen mit unserer Bibliothek der Dinge gestartet sind, kann ich noch keine Erfahrungswerte teilen. Aber ich bin zuversichtlich, dass alles problemlos funktionieren wird.

1 Like

Wir haben mittlerweile zwei Sofortbildkamperas: https://www.emsdetten.de/bildung-betreuung-beratung/bildung/stadtbibliothek/bibliothek-der-dinge/produktblatt-sofortbildkamera-12.pdf?cid=1icg. Sie sind mit die bestausgeliehenen Dinge. Die Kunden müssen die Filme selbst kaufen. Wir haben bei der Anschaffung darauf geachtet, dass sie bei den Örtlichen Drogeriemärkten erhältlich sind. Der Wartungsaufwand ist gering bis nicht vorhanden und sie halten seit ca. 2023 durch.

5 Likes

Danke für die ausführliche Antwort. Vor allem der zweite und der dritte Punkt haben mich ins grübeln gebracht. Dinge, die ein eigenes Konto / eigene App brauchen, sehe ich kritisch.
Wie eingangs geschrieben sehe ich da ein Risiko, dass ein Hersteller eine App einstellt und unser Ding damit mehr oder minder nutzlos wird.
Das hat mich zu der Frage gebracht, wie es denn dann mit Fotopapier verhält. Da sind wir ja ebenfalls darauf angewiesen, dass ein Produkt weiterhin angeboten wird.

Da Ihre Bibliothek damit keine Probleme zu haben scheint und auch sonst niemand in dieser Richtung schlechte Erfahrungen gemacht hat, sehe ich da keinen Anlass zur Sorge.

Die lokale Verfügbarkeit ist ein sehr guter Punkt. Danke sehr.

Hallo zusammen,

bei uns ist die Sofortbildkamera Instax Mini 90 Neo Classic im Einsatz. Da es dieses Modell neu nicht mehr zu kaufen gibt, und ein Nutzer für Ersatz sorgen musste hat er diese gebraucht gekauft.

Um den Service abzurunden, bieten wir die Filme direkt zum Mitkaufen an, sodass kein zusätzlicher Weg für Zubehör nötig ist.